NEM, Gold, Zirkon: Materialkosten in der Laborrechnung korrekt ansetzen
NEM, Gold, Zirkon: So setzen Sie Materialkosten in der Laborrechnung korrekt an – Tagespreis, Gewichtsnachweis, Ronden-Kalkulation, Dokumentation.
GetDent Redaktion
Abrechnungsexperten für Dentallabore
Freitagvormittag, kurz nach zehn. Am Telefon die Abrechnungsmitarbeiterin einer Stammpraxis, freundlich, aber bestimmt: Sie habe die Goldkrone aus der vergangenen Woche nachgewogen. Auf der Rechnung stünden 3,4 Gramm, ihre Briefwaage zeige 2,9. Ob da vielleicht ein Fehler vorliege. Sie kennen die Antwort – Gusskanäle, Verarbeitungsverlust, das Restmetall im Scheidgut –, aber während Sie den Auftrag heraussuchen, merken Sie: So sauber dokumentiert, dass Sie die Differenz in zwei Sätzen belegen könnten, ist der Weg von der Einwaage zur berechneten Grammzahl nicht.
Im CAM-Raum lehnt derweil die dritte angebrochene Zirkonronde dieses Monats im Regal. Niemand kann aus dem Stegreif sagen, wie viele Einheiten sie noch hergibt – oder was die Krone, die gestern aus ihr gefräst wurde, an Material tatsächlich gekostet hat. Berechnet wird ein Satz pro Einheit, den irgendwann einmal jemand festgelegt hat. Wann das war und auf welcher Grundlage, weiß im Labor niemand mehr genau.
Materialkosten sind der Teil der Laborrechnung, der eigentlich am wenigsten Spielraum lassen sollte – und der in vielen Laboren die meiste Unschärfe enthält. NEM, Gold und Zirkon folgen dabei drei unterschiedlichen Logiken. Wer sie kennt und im Alltag sauber trennt, rechnet nicht nur korrekt ab, sondern erspart sich genau die Telefonate, mit denen dieser Text beginnt.
Drei Materialien, drei Abrechnungslogiken
Auf den ersten Blick ist Material gleich Material: Es wird eingekauft, verarbeitet und weiterberechnet. Tatsächlich unterscheiden sich die drei großen Werkstoffgruppen der Prothetik grundlegend darin, wie diese Weiterberechnung funktioniert.
- Edelmetall ist tagespreisgebunden und wird grammgenau abgerechnet. Der Materialwert übersteigt bei einer Gusskrone schnell den Wert der zahntechnischen Leistung – entsprechend genau schauen Praxen und Patienten hin.
- NEM wird ebenfalls nach Verbrauch berechnet, ist aber pro Gramm so günstig, dass die Sorgfalt im Alltag gern nachlässt. Genau darin liegt das Risiko.
- Zirkon kennt keinen sinnvollen Grammpreis. Hier wird ein Rohling mit begrenzter und schwankender Ausbeute verarbeitet – die Abrechnung braucht eine Kalkulation, keine Waage.
Wer alle drei Materialien nach derselben Methode abrechnet, macht bei mindestens zweien systematisch Fehler. Deshalb lohnt der Blick auf jede Gruppe einzeln.
Edelmetall: Grammgenau, tagesaktuell, lückenlos belegt
Beim Gold gilt das strengste Regime, und das aus gutem Grund: Der Goldpreis hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert, und bei hochgoldhaltigen Legierungen steckt der größte Teil des Rechnungsbetrags oft im Metall selbst. Drei Dinge müssen dabei zusammenpassen.
Erstens der Preis. Üblich ist die Abrechnung zum Tagespreis der konkreten Legierung. Legen Sie intern eindeutig fest, welcher Tag als Stichtag gilt – in der Regel der Verarbeitungstag – und wenden Sie diese Regel ausnahmslos an. Ein Labor, das den Stichtag je nach Preisentwicklung wählt, verliert jede Argumentationsgrundlage, sobald eine Praxis nachfragt.
Zweitens das Gewicht. Die berechnete Grammzahl muss sich aus einem Wiegeprotokoll ergeben: Einwaage, verarbeitetes Metall, Restmetall, das ins Scheidgut wandert. Dass die fertige Krone auf der Praxiswaage weniger wiegt als die Rechnung ausweist, ist normal – Gusskanäle und Verarbeitungsverluste erklären die Differenz. Erklären können muss man sie trotzdem, und zwar mit einem Beleg, nicht mit einem Achselzucken.
Drittens die Herkunft. Stellt die Praxis oder der Patient Edelmetall bei, wird nur die Verarbeitung berechnet und die Beistellung auf der Rechnung vermerkt. Vermischen Sie beigestelltes Metall buchhalterisch nie mit Laborbestand.
Im Kassenbereich geben Sie Edelmetallkosten in tatsächlich entstandener Höhe weiter – ein kalkulatorischer Aufschlag ist dort nicht vorgesehen. Das Labor verdient am Gold nichts, haftet aber für jede Unklarheit. Umso wichtiger, dass die Dokumentation stimmt.
NEM: Die Sorgfaltspflicht hängt nicht am Grammpreis
Nichtedelmetall ist der unauffälligste Posten der Materialabrechnung – und gerade deshalb ein häufiger Fehlerherd. Weil der Grammpreis niedrig ist, wird NEM in manchen Laboren pauschal geschätzt, großzügig gerundet oder schlicht vergessen. Beides ist falsch, nur in unterschiedliche Richtungen.
Auch NEM wird nach tatsächlichem Verbrauch berechnet. Über ein Jahr und einige hundert Gerüste summieren sich die kleinen Beträge, die durch Schätzen verloren gehen oder durch großzügiges Aufrunden zu viel berechnet werden, zu einer Größenordnung, die man in keiner anderen Position achselzuckend hinnehmen würde. Und bei gefrästen NEM-Gerüsten gilt ohnehin nicht mehr die Gusslogik, sondern die Rondenlogik – dazu gleich mehr.
Unabhängig vom Preis bleibt die Rückverfolgbarkeit: Als Hersteller von Sonderanfertigungen dokumentieren Sie Werkstoff und Charge für jede Arbeit – die Anforderungen der Medizinprodukteverordnung fragen nicht danach, ob das Material teuer war. Ein NEM-Gerüst braucht dieselbe Chargendokumentation wie eine Goldkrone, nur die Grammzahl auf der Rechnung ist kleiner.
Zirkon: Die Ronde rechnet anders
Bei Zirkon scheitert die Grammlogik vollständig. Sie kaufen keinen Werkstoff nach Gewicht, sondern einen Rohling, aus dem eine begrenzte und von Auftrag zu Auftrag schwankende Zahl von Einheiten entsteht. Der ehrliche Materialpreis pro Einheit ist deshalb eine Rechenaufgabe:
- Rondenpreis geteilt durch realistische Ausbeute. Realistisch heißt: die Zahl der Einheiten, die im Alltag tatsächlich aus einer Ronde kommt – mit Verschnitt, mit Randzonen, mit den Resthöhen, in die keine Brücke mehr passt. Nicht das theoretische Maximum aus dem Nesting-Programm.
- Verschiedene Ronden, verschiedene Sätze. Hochtransluzente und mehrschichtige Rohlinge kosten spürbar mehr als Standardware. Ein Einheitssatz über alle Rondentypen subventioniert die teuren Arbeiten aus den günstigen.
- Material bleibt Material. Fräserverschleiß, Maschinenstunden und Sinterofen gehören in die Gemeinkostenkalkulation der Leistungspositionen, nicht in die Materialposition. Wer beides vermischt, kann später weder das eine noch das andere sauber begründen.
Ein Zirkon-Materialsatz ist eine Kalkulation, keine Messung – und Kalkulationen veralten. Ändern sich Einkaufspreise oder die tatsächliche Ausbeute, muss der Satz nachgezogen werden. Ein fester Termin, etwa einmal im Jahr oder bei jeder Preisänderung des Lieferanten, verhindert, dass der Satz von damals unbemerkt zur Ertragslücke von heute wird.
Was die BEL-Position schon enthält – und was nicht
Die zweite große Fehlerquelle neben der falschen Mengenermittlung ist die Frage, was überhaupt gesondert berechnet werden darf. Im BEL-System sind Hilfsstoffe wie Gips, Einbettmasse oder Modellierwachs mit dem Positionspreis abgegolten – wer sie zusätzlich berechnet, berechnet doppelt. Gesondert berechnungsfähig sind dagegen insbesondere Legierungen und konfektionierte Teile wie Prothesenzähne oder Geschiebe.
Beide Fehlerrichtungen kommen vor: Die Doppelberechnung fällt bei einer Prüfung auf und beschädigt das Vertrauensverhältnis zur Praxis. Die vergessene Materialposition fällt niemandem auf – außer irgendwann dem Betriebsergebnis.
Dazu kommt die Grenze zwischen den Versorgungsformen. Ob eine Arbeit als Regelversorgung, gleichartige oder andersartige Versorgung läuft, entscheidet darüber, in welchem Regime das Material abgerechnet wird – und damit auch über den Spielraum. Im Kassenbereich werden Materialkosten in tatsächlicher Höhe weitergegeben. Im privaten Bereich kalkulieren Sie frei, und dort dürfen die Kosten, die Material tatsächlich verursacht, auch einfließen: Lagerhaltung, Kapitalbindung, das Preisrisiko beim Edelmetall zwischen Einkauf und Verarbeitung. Frei kalkulieren heißt nicht beliebig kalkulieren – es heißt, die echten Kosten vollständig anzusetzen und den Ansatz begründen zu können.
Die Rechnung muss die Frage beantworten, bevor sie gestellt wird
Zurück zum Anruf vom Anfang. Mit einem Wiegeprotokoll ist er in zwei Minuten erledigt: Einwaage, Gussobjekt, Scheidgut, Differenz erklärt, Praxis zufrieden – und beim nächsten Mal ruft sie gar nicht erst an. Ohne Protokoll wird aus derselben Frage ein schwelender Zweifel.
Was dafür zusammenkommen muss:
- Auf der Rechnung: Materialart beziehungsweise Legierungsname, Menge oder Gewicht, beim Edelmetall der zugrunde gelegte Tagespreis mit Datum.
- Im Auftrag: Wiegeprotokolle, Chargennummern für die Konformitätserklärung, bei gefrästen Arbeiten die Zuordnung zur Ronde.
- Im System: Materialbuchungen, die direkt am Auftrag entstehen – nicht auf Zetteln, die freitags gesammelt abgetippt werden.
Der letzte Punkt ist der entscheidende Hebel. Materialfehler entstehen selten aus Unwissen, fast immer aus Medienbrüchen: Die Grammzahl steht auf einem Klebezettel am Gussofen, der Rondenverbrauch in einem Ordner im CAM-Raum, die Rechnung entsteht zwei Tage später am Schreibtisch. Eine Abrechnungslösung, die Materialbuchungen mit Tagespreis und Charge direkt am Auftrag erfasst – wie etwa die Laborsoftware GetDent –, schließt genau diese Lücke zwischen Werkbank und Rechnung.
Material ist die eine Position, die man nachwiegen kann
Eine Laborrechnung enthält viele Positionen, deren Angemessenheit die Praxis Ihnen glauben muss. Ob die Modellmontage sorgfältig war, ob die Fräsung zwei Korrekturschleifen brauchte – das sieht der Rechnung niemand an. Die Grammzahl ist anders. Sie ist die einzige Angabe, die jede Praxis mit einer Waage überprüfen kann, und der Goldpreis ist die einzige Zahl, die jeder Patient am selben Abend nachschlagen kann.
Das macht die Materialabrechnung zum Schaufenster des ganzen Labors. Wer hier grammgenau, tagesaktuell und belegbar arbeitet, dem glaubt man auch die Positionen, die sich nicht nachwiegen lassen. Wer hier rundet, schätzt und improvisiert, sät Zweifel an jeder Zeile darüber.
Präzision beim Material ist deshalb keine Buchhaltungstugend, sondern Ihr sichtbarster Qualitätsbeweis. Die Krone zeigt, was Ihr Labor technisch kann. Die Grammzahl daneben zeigt, wie es arbeitet.
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