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Digitalisierung 31. Mai 2026 · 10 Min. Lesezeit

KIM, TIM, TI: Was die Telematikinfrastruktur für Dentallabore wirklich bedeutet

Welche TI-Komponenten Dentallabore tatsächlich betreffen, was nur Praxen gilt, was der Zeitplan bis 2027 bedeutet und was ein KIM-Postfach kostet.

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GetDent Redaktion

Branchenexperten für Dentallabor-Digitalisierung

Donnerstag, kurz nach 16 Uhr. Das Labor wartet auf die finale Konstruktionsgenehmigung für eine dreigliedrige Brücke. Der Zahnarzt sitzt fünf Kilometer entfernt. Das Fax zeigt „Leitung belegt”. Alternativ: eine unverschlüsselte E-Mail mit dem Patientennamen im Betreff.

Das ist 2026 Realität in einem beträchtlichen Teil der deutschen Dentaltechnik — und genau dafür gibt es KIM.

Gleichzeitig ist kaum ein Thema so durchdrungen von Halbwissen wie die Telematikinfrastruktur. Laborinhaber hören „TI-Pflicht” und fragen sich, ob sie jetzt einen Konnektoren-Schrank kaufen müssen. Die kurze Antwort: Nein. Die vollständige Antwort ist differenzierter.

Was die Telematikinfrastruktur ist — und was nicht

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das digitale Gesundheitsnetz der Gematik. Sie verbindet Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und perspektivisch weitere Gesundheitsberufe über ein reguliertes, verschlüsseltes Netz. Kernkomponenten sind der Konnektor (Hardware-Gateway), die eGK (elektronische Gesundheitskarte) und verschiedene Anwendungen wie KIM, TIM und die elektronische Patientenakte (ePA).

Was das für Dentallabore bedeutet: Ihr seid kein zugelassener Leistungserbringer im Sinne des SGB V. Ihr habt keine KV-Zulassung, keinen Heilberufsausweis (HBA) und damit keinen direkten TI-Anschluss. Der Konnektor ist für euch rechtlich nicht vorgesehen — und auch nicht erhältlich, weil die Gematik ihn ausschließlich an zugelassene Leistungserbringer ausgibt.

Das bedeutet: Die TI-Anschlusspflicht gilt nicht für Dentallabore. Was gilt, ist etwas anderes.

KIM: Das, was euch wirklich betrifft

KIM steht für „Kommunikation im Medizinwesen” — das ist der verschlüsselte E-Mail-Dienst der TI. Ärzte, Zahnärzte und andere TI-Teilnehmer sind seit 2022 bzw. 2024 verpflichtet, ein KIM-Postfach zu haben und zu nutzen.

Für euch als Labor gilt: Ihr könnt kein KIM-Postfach selbst beantragen. Der Zugang läuft ausschließlich über einen HBA oder eine SMC-B (Institutionskarte), beides setzt TI-Mitgliedschaft voraus.

Die praktische Konsequenz: Eure Praxen bekommen ihre Kommunikation zunehmend über KIM organisiert — Überweisungen, Heil- und Kostenpläne, eRezepte. Wenn ihr den Zahnarzt mit einer Rückfrage zur Konstruktion erreichen wollt, landet ihr weiterhin per Telefon, Fax oder unverschlüsselter E-Mail — es sei denn, die Praxis baut euch einen Umweg.

Einige Softwareanbieter im Dentalbereich arbeiten an Hybrid-Lösungen: Das Praxisverwaltungssystem der Praxis fungiert als KIM-Gateway, und das Labor erhält eine gesicherte Weiterleitung über eine externe verschlüsselte Plattform. Das ist kein offizieller TI-Anschluss, aber eine pragmatische Brücke.

TIM: Secure Messaging im Gesundheitswesen

TIM steht für „TI-Messenger” — der WhatsApp-Ersatz für Gesundheitsberufe. Seit Juli 2025 sind Ärzte und Zahnärzte verpflichtet, TIM zu nutzen. Es läuft auf dem Matrix-Protokoll, ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und soll schnelle Kommunikation im Behandlungskontext ermöglichen.

Für Labore gilt dasselbe wie bei KIM: Ihr könnt keinen eigenen TIM-Client gegen die offizielle TI führen. Auch hier gibt es aber zunehmend Föderations-Ansätze: Anbieter, die einen Matrix-Server außerhalb der TI betreiben, können — in bestimmten Konstellationen — mit TI-Teilnehmern kommunizieren, wenn die Gematik das freigibt.

Stand Mai 2026 ist diese Föderierung für Nicht-TI-Teilnehmer noch nicht produktionsreif. Erwartet für Ende 2026, nach aktuellem Zeitplan.

Für die tägliche Laborarbeit bedeutet das: TIM ist heute noch keine Option für euch. Plant damit frühestens für 2027.

Was bis 2027 auf eure Praxen zukommt — und indirekt auf euch

Die Gematik hat einen strikten Zeitplan. Die relevanten Meilensteine für das Labor-Praxis-Verhältnis:

2025 (abgeschlossen):

  • Zahnärzte: TIM-Pflicht seit Juli 2025
  • ePA für alle: Opt-out-Modell seit Januar 2025, Zahnärzte müssen ePA befüllen

2026:

  • Elektronischer Medikationsplan und eArztbrief werden Pflicht
  • KIM-Nutzungspflicht für den zahnärztlichen Ablauf ausgeweitet (Überweisungen, HKP-Kommunikation mit Kassen)

2027:

  • Perspektivisch: Digitale Laboraufträge über Praxis-Systeme — mehrere Pilotprojekte laufen, kein verpflichtender Standard bisher
  • Mögliche Öffnung der TI-Föderierung für weitere Gesundheitsberufe, Labore könnten begrenzte TI-Teilnehmer werden (Diskussion in der Gematik-Roadmap, kein Beschluss)

Die wichtigste Konsequenz für euch heute: Eure Zahnarztpraxen werden ihre Kommunikationsprozesse neu organisieren. Das Fax stirbt, die unverschlüsselte E-Mail wird kritisch gesehen. Wenn ihr noch auf beide angewiesen seid, bereitet euch auf Reibung vor.

Kosten der TI-Anbindung — für euren Zahnarzt, nicht für euch

Da Labore keine direkten TI-Teilnehmer sind, entstehen euch keine TI-Anschlusskosten. Zur Einordnung: Eine Zahnarztpraxis zahlt für den TI-Anschluss nach Branchenschätzungen zwischen 1.200 und 2.500 Euro einmalig (Konnektor, Kartenterminal, Installation) plus laufend 50 bis 120 Euro monatlich für Konnektor-as-a-Service-Modelle. KIM-Postfächer kosten je nach Anbieter 5 bis 15 Euro pro Monat.

Diese Kosten landen zwar nicht bei euch — sie belasten aber eure Praxen. Wenn Praxen unter finanziellem Druck stehen, zögern manche mit der vollständigen TI-Implementierung. Das erklärt, warum der Rollout langsamer läuft als die Gematik geplant hatte.

Was ein KIM-Postfach für eure Praxiskommunikation bedeutet

Auch wenn ihr keinen eigenen KIM-Anschluss habt, verändert KIM euren Alltag — weil eure Praxen es nutzen.

Szenario 1: Die Praxis nutzt KIM aktiv für HKP-Kommunikation mit der Kasse. Das hat keinen direkten Einfluss auf eure Laborarbeit, weil der HKP zwischen Zahnarzt und KZV läuft, nicht über euch.

Szenario 2: Die Praxis möchte Konstruktionsgenehmigungen und Nachfragen per KIM statt Fax abwickeln. Das ist sinnvoll — aber für euch bedeutet es, dass ihr einen Rückkanal braucht. Entweder ein verschlüsseltes Portal, das euer Laborsystem anbietet, oder ein abgestimmtes Verfahren mit der Praxis.

Szenario 3: Die Praxis will digitale Laboraufträge. Das ist der relevanteste mittelfristige Trend. Praxisverwaltungssysteme beginnen, Laboraufträge strukturiert zu übergeben — mit Befunddaten, Fotos, CAD-Referenzen. Das setzt auf eurer Seite ein Laborsystem voraus, das solche strukturierten Importe verarbeiten kann. Freies Fax-PDF kann das nicht.

Was ihr jetzt tun solltet

Kein Aktionismus: Ihr braucht keine TI-Hardware. Wer euch einen Konnektor verkaufen möchte, verkauft euch etwas Falsches.

Kommunikationsinfrastruktur überprüfen: Wie kommuniziert ihr heute mit euren Top-20-Praxen? Fax, Telefon, E-Mail, Portal? Notiert die Schwachstellen. Wenn ihr mit fünf Praxen noch per Fax arbeitet und diese Praxen in den nächsten 18 Monaten auf KIM-Kommunikation umstellen, braucht ihr eine Alternative.

Laborsoftware auf digitale Auftragsübergabe prüfen: Fragt euren Softwareanbieter konkret: Gibt es eine API oder einen Import für strukturierte Laboraufträge aus Praxis-Systemen? Falls nicht: Wann ist das geplant? Das ist kein Nice-to-have für 2030, das ist ein realistischer Bedarf für 2027.

Praxen proaktiv ansprechen: Ein typischer Satz aus Branchengesprächen ist „Wir warten, bis das der Zahnarzt anspricht.” Das ist das falsche Mindset. Labore, die ihren Praxen jetzt zeigen, dass sie für digitale Kommunikation bereit sind, bauen einen Wettbewerbsvorteil auf. Die Praxis merkt sich, mit wem der Übergang reibungslos lief.

Datenschutz prüfen: Wenn ihr heute noch Patientennamen, Befunde oder Fotos per unverschlüsselter E-Mail sendet, habt ihr ein DSGVO-Problem — unabhängig von TI. Verschlüsselte Kommunikation ist keine KIM-Frage, sondern eine Grundanforderung. Sprecht mit eurem Datenschutzbeauftragten.

Die realistische Einschätzung

Die Telematikinfrastruktur wird Dentallabore mittelfristig indirekt, aber spürbar betreffen. Nicht durch eigene Anschlusspflicht, sondern weil eure Praxen ihre Kommunikation digitalisieren und ihr Schritt halten müsst.

Die nächsten 18 Monate sind eine Übergangszeit. Praxen implementieren, testen und stolpern. Labore, die digitale Kommunikationswege schon heute anbieten — verschlüsseltes Portal, strukturierter Auftragseingang, digitale Rückfragen — werden mit deutlich weniger Reibung durch diesen Übergang kommen.

Wer heute noch auf Fax setzt und hofft, dass das noch fünf Jahre so weitergeht: Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Der Zeitplan der Gematik ist verbindlich, die Sanktionsmechanismen für Praxen greifen. Das Fax wird nicht verboten — es wird schlicht zunehmend auf der anderen Seite nicht mehr beantwortet.

Für konkrete Fragen zur TI-Compliance und rechtlichen Anforderungen empfehlen wir den Rat eines auf Gesundheitsrecht spezialisierten Anwalts sowie den direkten Kontakt zur BZÄK oder Ihrem zuständigen Dentalverband.

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