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Abrechnung 11. April 2026 · 11 Min. Lesezeit

BEB-Abrechnung: Die 10 teuersten Fehler

Eigenleistungen sind die Marge des Labors — wenn man sie richtig abrechnet. Die 10 häufigsten BEB-Fehler und was sie kosten. Mit konkreten Positionen.

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GetDent Redaktion

Abrechnungsexperten für Dentallabore

Freitagabend, kurz vor Feierabend. Der Zahntechniker hat gerade eine aufwendige Vollkeramik-Verblendung fertiggestellt — individuell geschichtet, drei Farbnahmen, zwei Stunden Handarbeit. Auf der Rechnung steht am Ende: 189 Euro. Der gleiche Betrag wie für die Standardkrone aus dem Fräszentrum.

Warum? Weil die BEB-Preisliste seit 2019 nicht angefasst wurde. Weil niemand im Labor den Unterschied zwischen einer Standard-Eigenleistung und einer Premiumarbeit in der Abrechnung abbildet. Weil „das haben wir schon immer so gemacht” in der Zahntechnik nicht nur ein Sprichwort ist — sondern Geschäftsmodell.

Das BEL regelt die Kassenleistungen. Da gibt es feste Punktwerte, wenig Spielraum. Aber die BEB-Abrechnung — Eigenleistungen für Privatpatienten und Zusatzleistungen bei Kassenpatienten — ist der Bereich, in dem Labore ihre Marge selbst gestalten können. Theoretisch. Praktisch verschenken die meisten Labore genau hier das meiste Geld.

Weil die BEB kein festes Preiswerk ist wie die BEL, sondern eine Empfehlungsliste. Jedes Labor muss seine eigenen Preise kalkulieren. Und genau das tun die wenigsten systematisch.


Fehler 1: BEL-Preise als Grundlage für Privatleistungen nehmen

Der häufigste und teuerste Fehler. Ein Laborleiter schaut auf seine BEL-Kalkulation für eine Krone und denkt: „Na gut, für privat nehme ich halt 20% mehr.” Das klingt nach Aufschlag. Ist aber Selbstbetrug.

BEL-Preise wurden für die gesetzliche Krankenversicherung kalkuliert — mit politisch gewollten Punktwerten, die den tatsächlichen Aufwand nicht abbilden. Der aktuelle BEL-Punktwert liegt bei rund 1,11 Euro. Die realen Kosten pro Arbeitsstunde eines Zahntechnikers liegen nach VDZI-Betriebsvergleichen bei 75 bis 95 Euro, je nach Region und Qualifikation.

Wer seinen BEB-Preis aus dem BEL-Preis ableitet, übernimmt die Unterfinanzierung der Kassenleistung gleich mit — und schlägt dann 20% auf einen Preis auf, der schon zu niedrig war.

Die richtige Methode: BEB-Preise werden aus den eigenen Kosten kalkuliert. Arbeitszeit mal Stundensatz plus Material plus anteilige Gemeinkosten plus Gewinnmarge. Das hat mit der BEL nichts zu tun.

Geschätzter Verlust: 8.000–15.000 Euro pro Jahr bei einem Labor mit 200.000 Euro Privatumsatz.

Fehler 2: Die BEB-Preisliste seit Jahren nicht aktualisiert

Material wird jedes Jahr teurer. Edelmetall hat sich seit 2020 um über 40% verteuert. Zirkonrohlinge kosten 15–25% mehr als vor drei Jahren. Die Energiekosten für Brennöfen und Absauganlagen sind in vielen Laboren um 30–50% gestiegen.

Und die BEB-Preisliste? Steht im Ordner. Letzte Aktualisierung: irgendwann unter Merkel.

Jede Preisliste, die älter als 18 Monate ist, kostet Sie aktiv Geld. Nicht ein bisschen. Spürbar. Denn Ihre Kosten steigen kontinuierlich, aber Ihre Erlöse bleiben auf dem Niveau von vorgestern.

Die Zahntechnikerinnungen empfehlen eine jährliche Überprüfung der BEB-Preise. Die wenigsten Labore halten sich daran. Manche haben ihre Preise zuletzt angepasst, als der Goldpreis noch unter 40 Euro pro Gramm lag. Heute liegt er bei über 85 Euro.

Geschätzter Verlust: 5.000–12.000 Euro pro Jahr, abhängig vom Privatanteil und dem Alter der Preisliste.

Fehler 3: Materialkosten pauschal statt individuell berechnen

„Zirkon kostet bei uns pauschal 45 Euro pro Einheit.” Dieser Satz fällt in erschreckend vielen Laboren. Unabhängig davon, ob es sich um eine monolithische Krone handelt oder um eine sechsgliedrige Brücke. Ob transluzentes Premium-Zirkon oder Standard-Material verwendet wurde. Ob eine oder drei Fräseinheiten verbraucht wurden.

Die BEB erlaubt — und verlangt eigentlich — die individuelle Materialberechnung. Material wird nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet, nicht nach Pauschale. Wer pauschaliert, verschenkt bei aufwendigen Arbeiten und subventioniert einfache Fälle quer.

Konkretes Beispiel: Eine Teleskoparbeit auf sechs Pfeilern verbraucht Edelmetall im Wert von 380–520 Euro, je nach Legierung. Ein Labor, das „Edelmetall nach Aufwand” mit einem Pauschalbetrag von 280 Euro pro Teleskop abrechnet, verliert bei einer solchen Arbeit schnell 300 Euro — nur beim Material.

Geschätzter Verlust: 3.000–8.000 Euro pro Jahr, besonders bei Laboren mit hohem Edelmetall-Anteil.

Fehler 4: Zeitaufwand für ästhetische Leistungen nicht realistisch ansetzen

Eine individuell geschichtete Verblendung dauert 90 bis 120 Minuten. Eine Standardverblendung aus dem Pressverfahren dauert 25 Minuten. Auf der Rechnung steht oft der gleiche Preis.

Das ist so, als würde ein Restaurant für ein Fünf-Gänge-Menü das Gleiche berechnen wie für eine Currywurst — weil beides unter „Essen” fällt.

Der BEB-Katalog kennt Differenzierungen nach Aufwand. Individuelle Keramikschichtung ist eine andere Leistung als maschinelle Verblendung. Farbindividualisierung, Oberflächencharakterisierung, Gingiva-Gestaltung — das sind eigenständige Positionen, die separat berechenbar sind.

Die meisten Labore fassen das unter einem Posten zusammen. Weil es schneller geht. Weil der Zahntechniker am Ende des Tages keine Lust hat, fünf Positionen einzeln aufzulisten. Und weil die Software es nicht einfach macht.

Geschätzter Verlust: 4.000–10.000 Euro pro Jahr bei Laboren mit Schwerpunkt Ästhetik.

Fehler 5: Planungs- und Beratungsleistungen nicht berechnen

Der Zahnarzt ruft an. „Können Sie sich den Fall mal anschauen? Der Patient hat eine komplexe Ausgangssituation, ich bräuchte eine Einschätzung zur Machbarkeit.” Der Zahntechniker schaut sich die Unterlagen an, macht ein Wax-up, telefoniert 20 Minuten mit dem Zahnarzt, erstellt eine Skizze. Aufwand: anderthalb Stunden.

Auf der Rechnung: nichts.

Fachliche Beratung, Fallplanung, diagnostische Wax-ups, Funktionsanalysen — das sind Leistungen, die in der BEB abgebildet sind. Aber kaum ein Labor rechnet sie ab. Die Begründung ist immer die gleiche: „Das gehört zum Service.” Oder: „Wenn ich dafür was verlange, geht der Zahnarzt zum nächsten Labor.”

Die Wahrheit ist: Ein Zahnarzt, der Ihre fachliche Beratung in Anspruch nimmt, tut das, weil er Ihre Kompetenz schätzt. Genau dieser Zahnarzt versteht auch, dass Kompetenz einen Preis hat. Die Angst vor dem Kundenverlust ist in den meisten Fällen unbegründet — und sie kostet bares Geld.

Geschätzter Verlust: 2.000–6.000 Euro pro Jahr, bei Laboren mit vielen komplexen Fällen deutlich mehr.

Fehler 6: Keine Differenzierung nach Schwierigkeitsgrad

Eine Einzelkrone auf einem normal präparierten Stumpf. Und eine Einzelkrone auf einem stark geneigten, subgingival präparierten Pfeilerzahn mit Unterschnitt. Gleicher Preis?

In vielen Laboren: ja. Weil die Preisliste „Krone vollkeramisch” als einen Posten führt. Ohne Zuschläge für überdurchschnittlichen Aufwand, für schwierige Einschubrichtungen, für Nachpräparation am Modell, für mehrfache Einproben.

Die BEB erlaubt Zuschläge für erhöhten Schwierigkeitsgrad. Die VDZI-Empfehlung sieht Staffelungen von 25–50% Zuschlag für überdurchschnittlich aufwendige Arbeiten vor. Nutzen tut das fast niemand — aus Angst vor der Diskussion mit der Zahnarztpraxis.

Dabei ist die Argumentation denkbar einfach: Mehr Aufwand kostet mehr. Das versteht jeder Zahnarzt, der selbst nach GOZ abrechnet und dort ebenfalls Steigerungsfaktoren ansetzt.

Geschätzter Verlust: 2.000–5.000 Euro pro Jahr.

Fehler 7: Rüst- und Nacharbeitszeiten nicht einkalkulieren

Die reine Herstellungszeit einer Arbeit ist das eine. Aber davor und danach passiert einiges: Auftrag lesen und prüfen, Modell vorbereiten, Artikulator einsetzen, nach dem Brennen kontrollieren, Okklusion prüfen, verpacken, dokumentieren.

Diese Rüst- und Nacharbeitszeiten machen bei einer durchschnittlichen Kronenarbeit 20–30 Minuten aus. Bei einer Stundenkostensatz von 85 Euro sind das 28 bis 42 Euro pro Auftrag, die nirgendwo auftauchen.

In der BEB lassen sich diese Zeiten über allgemeine Laborleistungen, Modellherstellung und Qualitätssicherung abbilden. Wer sie weglässt, arbeitet diese Zeit umsonst.

Geschätzter Verlust: 6.000–12.000 Euro pro Jahr — das ist der Fehler, der in der Summe am meisten wehtut, weil er bei jedem einzelnen Auftrag anfällt.

Fehler 8: Digitale Leistungen nicht als eigenständige Positionen abrechnen

CAD-Design, STL-Datenaufbereitung, digitale Artikulatormontage, virtuelle Einprobe — das sind Arbeitsschritte, die vor zehn Jahren nicht existierten. Die BEB-Empfehlungsliste hat inzwischen Positionen für digitale Leistungen. Aber viele Labore rechnen ihre CAD/CAM-Arbeit wie konventionelle Herstellung ab und verschenken die digitale Wertschöpfung.

Ein CAD-Design für eine Implantatbrücke dauert 45–60 Minuten und erfordert spezielle Qualifikation. Das ist keine Maschinenarbeit — das ist hochqualifizierte Konstruktion. Und sie verdient einen eigenen Preis.

Labore, die ihre digitale Prozesskette sauber in der BEB abbilden, erzielen nach Branchenschätzungen 8–12% höhere Erlöse pro digitaler Einheit als Labore, die alles unter „Krone” zusammenfassen.

Geschätzter Verlust: 3.000–9.000 Euro pro Jahr, Tendenz steigend mit zunehmendem Digitalisierungsgrad.

Fehler 9: Versandkosten und Logistik nicht berechnen

Zweimal täglich fährt der Kurier. Oder das Labor nutzt einen Botendienst. Oder der Chef fährt selbst. Die Kosten: Sprit, Fahrzeugabschreibung, Versicherung, Zeit. Pro Fahrt zwischen 8 und 25 Euro, je nach Entfernung.

Bei 400 Fahrten im Jahr — das sind zwei pro Arbeitstag — kommen schnell 6.000 bis 10.000 Euro zusammen. Und bei wie vielen Laboren steht „Versand” auf der Rechnung?

Richtig. Bei den wenigsten.

Logistikkosten lassen sich entweder als Pauschale pro Auftrag oder als separate Position in der BEB abrechnen. Die Zahntechnikerinnungen empfehlen Versandpauschalen zwischen 4,50 und 8,50 Euro pro Sendung. Das ist keine Unverschämtheit — das ist Kostendeckung.

Geschätzter Verlust: 4.000–8.000 Euro pro Jahr.

Fehler 10: Keine regelmäßige Deckungsbeitragsrechnung pro Leistungsart

Dieser Fehler ist nicht direkt ein Abrechnungsfehler — aber er ist der Grund, warum alle anderen Fehler so lange unentdeckt bleiben.

Welche Ihrer Leistungen verdient Geld? Welche nicht? Auf welche Arbeiten sollten Sie sich konzentrieren, und welche kosten Sie bei ehrlicher Kalkulation mehr als sie einbringen?

Ohne eine regelmäßige Deckungsbeitragsrechnung — mindestens halbjährlich — fliegen Sie blind. Sie wissen nicht, ob Ihre Implantat-Suprakonstruktionen profitabel sind oder ob die Teleskoparbeiten Ihre Marge auffressen. Sie ahnen es vielleicht. Aber Ahnung ist kein Controlling.

Labore, die eine saubere Deckungsbeitragsrechnung führen, passen ihre BEB-Preise gezielt an. Sie erhöhen dort, wo die Marge zu dünn ist, und wissen genau, bei welchen Arbeiten sie Spielraum haben. Das ist kein Luxus für Großlabore — das ist Grundrechenart für jeden Betrieb, der überleben will.


Was diese Fehler in Summe kosten

FehlerGeschätzter Jahresverlust
BEL-Preise als BEB-Grundlage8.000–15.000 €
Veraltete Preisliste5.000–12.000 €
Pauschale Materialberechnung3.000–8.000 €
Zeitaufwand Ästhetik nicht differenziert4.000–10.000 €
Beratung nicht berechnet2.000–6.000 €
Keine Schwierigkeitsgrad-Staffelung2.000–5.000 €
Rüstzeiten nicht kalkuliert6.000–12.000 €
Digitale Leistungen nicht separat3.000–9.000 €
Logistik nicht berechnet4.000–8.000 €
Kein Deckungsbeitrags-Controllingnicht direkt bezifferbar

Die Einzelbeträge überlappen sich teilweise. Aber selbst konservativ geschätzt sprechen wir von 25.000 bis 45.000 Euro pro Jahr, die ein durchschnittliches Dentallabor bei den Eigenleistungen auf dem Tisch liegen lässt.

Bei einer Umsatzrendite von 5% müssten Sie 500.000 bis 900.000 Euro Mehrumsatz generieren, um den gleichen Effekt zu erzielen. Oder Sie rechnen einfach korrekt ab.


Was Sie konkret tun sollten — diese Woche noch

1. Drucken Sie Ihre aktuelle BEB-Preisliste aus. Legen Sie daneben Ihre letzte Jahres-BWA. Vergleichen Sie Ihre Stundensätze mit den tatsächlichen Kosten laut BWA. Wenn Ihr BEB-Stundensatz unter 80 Euro liegt, haben Sie ein Problem.

2. Prüfen Sie fünf aktuelle Privatrechnungen. Nehmen Sie aufwendige Arbeiten — Teleskope, Implantat-Suprakonstruktionen, individuelle Verblendungen. Stimmen die abgerechneten Positionen mit dem tatsächlichen Aufwand überein? Fehlen Positionen für Planung, Modellherstellung, Farbnahme?

3. Kalkulieren Sie Ihre Logistikkosten. Fahrtenbuch oder GPS-Auswertung des letzten Monats, Spritkosten, Fahrzeugkosten. Teilen Sie das Ergebnis durch die Anzahl der Lieferungen. Das ist Ihre Versandpauschale. Und die gehört auf die Rechnung.

4. Führen Sie Schwierigkeitsgrad-Zuschläge ein. Definieren Sie drei Stufen: Standard, erhöht, komplex. Legen Sie für jede Stufe einen prozentualen Aufschlag fest. Kommunizieren Sie das transparent an Ihre Zahnarztpraxen. Die meisten werden es verstehen — weil sie selbst so abrechnen.

5. Überprüfen Sie Ihre BEB-Preise mindestens einmal im Jahr. Tragen Sie sich einen festen Termin ein. Januar eignet sich gut, dann fließen die Zahlen des Vorjahres ein. Passen Sie Preise an, die unter Ihren Kosten liegen. Ohne Ausnahme.


Der eigentliche Punkt

Die BEL-Abrechnung ist ein Korsett. Die Preise stehen fest, der Spielraum ist minimal. Wer dort Fehler macht, verschenkt Geld — aber die Beträge sind begrenzt, weil die Preise selbst begrenzt sind.

Bei der BEB ist das anders. Hier bestimmen Sie den Preis. Hier liegt die unternehmerische Freiheit. Und hier liegt das größte Potenzial für Labore, die wirtschaftlich gesund arbeiten wollen.

Aber Freiheit ohne Kalkulation ist nur ein anderes Wort für Zufall. Und Zufall ist kein Geschäftsmodell.

Die Labore, die in fünf Jahren noch profitabel arbeiten, sind nicht die mit den meisten Aufträgen. Es sind die, die wissen was ihre Arbeit wert ist — und das auch auf der Rechnung stehen haben.

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