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Abrechnung 11. April 2026 · 9 Min. Lesezeit

Reparaturen im Dentallabor: Das verschenkte Umsatzpotenzial

Reparaturen machen bis zu 15% der Laboraufträge aus — aber viele werden unvollständig abgerechnet. Welche Positionen Labore vergessen und was das kostet.

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GetDent Redaktion

Abrechnungsexperten für Dentallabore

Freitagnachmittag, halb vier. Das Telefon klingelt. Eine Praxis, guter Kunde, 15 Jahre Zusammenarbeit. Die Patientin hat in ihr Croissant gebissen, der Verblendungszahn an der Modellgussprothese ist abgeplatzt. Ob das Labor das kurz richten könnte? Am besten bis Montag früh, die Patientin fährt Dienstag in den Urlaub.

Der Techniker seufzt, legt den laufenden Auftrag beiseite, nimmt die Prothese an, repariert sie in 40 Minuten, packt sie ein, schreibt “Reparatur” auf den Begleitzettel. Fertig.

Abgerechnet wird: eine Position. Manchmal nicht mal das — weil der Zettel im Freitagsstress untergeht und am Montag keiner mehr weiß, was da eigentlich gemacht wurde.

Das ist kein Einzelfall. Das ist Alltag in deutschen Dentallaboren. Und es ist einer der teuersten Fehler, die ein Labor systematisch machen kann.

Reparaturen: Das Stiefkind der Laborabrechnung

Reparaturen haben in vielen Laboren einen schlechten Ruf. Sie stören den Workflow, kommen ungeplant, unterbrechen laufende Arbeiten, und der Ertrag erscheint auf den ersten Blick gering. Ein schneller Handgriff, eine Gefälligkeit für die Praxis — was soll man da groß abrechnen?

Genau diese Haltung kostet Labore fünfstellige Beträge im Jahr.

Nach Schätzungen des VDZI machen Reparaturen und Wiederherstellungen je nach Laborausrichtung zwischen 10 und 20 Prozent aller Aufträge aus. Bei einem durchschnittlichen Labor mit 800 bis 1.200 Aufträgen pro Jahr sind das 80 bis 240 Reparaturaufträge. Und bei jedem einzelnen stellt sich die Frage: Wurde alles erfasst, was abrechenbar ist?

Die ehrliche Antwort in den meisten Laboren: Nein.

Drei Gründe, warum das so ist:

Erstens: Reparaturen werden als Unterbrechung behandelt, nicht als eigenständiger Auftrag. Sie laufen nebenher, werden auf Zuruf erledigt und oft erst Tage später — wenn überhaupt — in die Abrechnung übernommen. Was nicht sofort dokumentiert wird, wird vergessen.

Zweitens: Viele Techniker und Laborleiter kennen die volle Breite der abrechenbaren Positionen bei Reparaturen nicht. Sie rechnen die offensichtliche Hauptleistung ab und lassen alles andere liegen. Nicht aus Absicht, sondern aus Gewohnheit.

Drittens: Die Angst, den Kunden zu verärgern. “Für so eine Kleinigkeit stellen wir doch keine große Rechnung” — diesen Satz höre ich in jedem zweiten Labor. Die Ironie: Der Zahnarzt rechnet seine Leistung am Patienten vollständig ab. Nur das Labor verzichtet freiwillig auf seinen Anteil.

Was bei Reparaturen tatsächlich abrechenbar ist

Die meisten Labore rechnen bei einer Prothesenreparatur eine, maximal zwei Positionen ab. Tatsächlich fallen bei den meisten Reparaturen deutlich mehr Arbeitsschritte an, die alle eigene BEL-Positionen haben.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Eine Modellgussprothese, an der ein Kunststoffzahn ersetzt und ein Halteelement nachgebogen werden muss.

Was die meisten Labore abrechnen:

PositionBeschreibungUngefährer Betrag
ZahnersatzKunststoffzahn einsetzenca. 25–35 €

Was tatsächlich anfällt und abrechenbar ist:

ArbeitsschrittBeschreibungUngefährer Betrag
ModellherstellungSituationsmodell nach Abformungca. 12–18 €
KunststoffzahnZahn einschleifen und polymerisierenca. 25–35 €
HalteelementKlammer nachbiegen/aktivierenca. 15–22 €
AusarbeitungProthese polieren und finalisierenca. 10–15 €
Versand/LogistikRücksendung an Praxisca. 5–8 €

Differenz pro Auftrag: 40 bis 60 Euro. Bei 150 Reparaturen im Jahr sind das 6.000 bis 9.000 Euro — einfach liegen gelassen.

Und das ist ein moderates Beispiel. Bei aufwändigeren Reparaturen — Erweiterung einer Prothese um einen Zahn mit Klammer, Unterfütterung, Sprung im Metallgerüst — können die vergessenen Positionen schnell das Doppelte der Hauptleistung ausmachen.

Die fünf häufigsten Reparaturarten und ihre vergessenen Positionen

1. Prothesenreparatur (Bruch oder Sprung)

Der Klassiker. Eine Totalprothese bricht in der Mitte durch, Patient kommt in die Praxis, Praxis schickt ans Labor.

Was oft vergessen wird: Die Modellherstellung wird häufig nicht berechnet, obwohl der Techniker ein Modell braucht, um die Passung zu kontrollieren. Ebenso fehlt regelmäßig die Ausarbeitung — Polieren und Finalisieren nach der Reparatur ist ein eigenständiger Arbeitsschritt, keine Nebentätigkeit.

2. Verblendungsreparatur

Ein Verblendungszahn ist abgeplatzt oder verfärbt. Die Praxis möchte eine chairside-Reparatur vermeiden und schickt ans Labor.

Was oft vergessen wird: Farbbestimmung und -abstimmung. Wenn der Techniker eine Verblendung erneuert, muss er die Farbe an die bestehende Arbeit anpassen. Das ist Aufwand, der separat abrechenbar ist. Viele Labore packen das kommentarlos mit rein.

3. Unterfütterung

Der Kiefer hat sich verändert, die Prothese sitzt nicht mehr. Eine Unterfütterung ist fällig — eigentlich eine der besser vergüteten Reparaturleistungen.

Was oft vergessen wird: Individuelle Abformung und Modellherstellung werden bei der Unterfütterung erstaunlich oft nicht separat aufgeführt. Dabei sind das klar definierte, eigenständige Arbeitsschritte. Auch die Bissregistrierung, wenn sie nötig ist, fehlt regelmäßig auf der Rechnung.

4. Erweiterung um Zahn und Halteelement

Ein Zahn wurde extrahiert, die vorhandene Prothese muss erweitert werden. Neuer Kunststoffzahn, neue Klammer, Modell, Einschleifen.

Was oft vergessen wird: Hier summieren sich die vergessenen Positionen besonders. Modellherstellung, jedes einzelne Halteelement, Aufstellung des Zahns, Einschleifen der Okklusion, Ausarbeitung — jeder dieser Schritte hat eine eigene Position. Wer hier nur “Erweiterung” auf die Rechnung schreibt, verschenkt regelmäßig 30 bis 50 Prozent des möglichen Betrags.

5. Reparatur an festsitzendem Zahnersatz

Rezementierung, Nachbrennen einer Keramikverblendung, Nachadjustierung — festsitzender Zahnersatz wird seltener repariert, aber wenn, dann sind die Beträge höher.

Was oft vergessen wird: Gerade bei Keramikreparaturen wird der Materialaufwand unterschätzt. Das Konditionieren der Oberfläche, das Schichten neuer Keramik, der Glanzbrand — das sind drei separate Arbeitsschritte, die in der Abrechnung gern zu einem zusammengefasst werden.

Die Psychologie dahinter: Warum Labore sich selbst betrügen

Es gibt ein Muster, das ich in fast jedem Labor beobachte. Ich nenne es den “Gefälligkeitsreflex”.

Der Zahnarzt ruft an, bittet um eine schnelle Reparatur, und der Laborleiter sagt sofort zu. In seinem Kopf läuft ein Film ab: schneller Service, zufriedener Kunde, gestärkte Beziehung. Die Reparatur fühlt sich an wie ein Gefallen unter Geschäftspartnern.

Aber sie ist kein Gefallen. Sie ist eine Dienstleistung. Mit Materialkosten, Arbeitszeit, Maschinennutzung und Opportunitätskosten — denn der Techniker, der die Reparatur macht, arbeitet in dieser Zeit nicht an einem Auftrag, der vielleicht 300 Euro bringt.

Wenn ein Installateur am Samstagmorgen kommt, um einen tropfenden Hahn zu reparieren, bezahlt niemand nur das Dichtungsgummi. Anfahrt, Arbeitszeit, Wochenendzuschlag — alles selbstverständlich. Aber wenn ein Zahntechniker am Freitagnachmittag eine Prothese repariert, die Montag früh fertig sein muss, dann berechnet er oft nicht mal einen Eilzuschlag.

Dieser Reflex sitzt tief. Er kommt aus einer Zeit, als Labore zehn Praxen als Kunden hatten und jede einzelne existenzwichtig war. In der Realität von 2026 — mit steigendem Kostendruck, Fachkräftemangel und sinkenden Margen — ist dieser Reflex gefährlich.

Was die Reparaturabrechnung über Ihr Labor verrät

Es gibt einen einfachen Test, den jeder Laborleiter in zehn Minuten durchführen kann: Nehmen Sie Ihre Reparaturaufträge der letzten drei Monate und vergleichen Sie den durchschnittlichen Rechnungsbetrag pro Reparatur mit dem tatsächlichen Zeitaufwand.

Wenn der durchschnittliche Reparaturauftrag unter 50 Euro liegt, haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Abrechnungsproblem. Nicht weil jede Reparatur mehr kosten muss — sondern weil bei einem Durchschnitt unter 50 Euro fast sicher Positionen fehlen.

Ein gut abgerechneter Reparaturauftrag liegt im Schnitt zwischen 65 und 120 Euro. Nicht weil mehr gearbeitet wird, sondern weil alles erfasst wird, was tatsächlich gemacht wurde.

Rechnen Sie es durch:

SzenarioØ Betrag/ReparaturReparaturen/JahrJahresumsatz Reparaturen
Typisch (lückenhaft)45 €1506.750 €
Korrekt abgerechnet85 €15012.750 €
Differenz+40 €+6.000 €

6.000 Euro mehr Umsatz — ohne einen einzigen Auftrag mehr, ohne einen einzigen Neukunden, ohne eine einzige Marketingmaßnahme. Nur durch korrekte Erfassung dessen, was sowieso schon gemacht wird.

Bei größeren Laboren mit 300 oder mehr Reparaturen im Jahr verdoppelt sich dieser Betrag entsprechend.

Fünf Maßnahmen, die sofort wirken

1. Reparatur-Checkliste einführen

Erstellen Sie eine einfache Checkliste mit allen möglichen Arbeitsschritten bei Reparaturen. Jeder Techniker hakt ab, was er tatsächlich gemacht hat. Das dauert 30 Sekunden und verhindert, dass Positionen vergessen werden.

Die Checkliste muss nicht kompliziert sein. Ein laminiertes DIN-A5-Blatt am Reparaturarbeitsplatz reicht. Drauf steht:

  • Modell hergestellt? Ja/Nein
  • Farbbestimmung nötig? Ja/Nein
  • Halteelement bearbeitet? Ja/Nein
  • Ausarbeitung/Politur? Ja/Nein
  • Eilauftrag? Ja/Nein

2. Reparaturen als eigene Auftragskategorie führen

Reparaturen gehören nicht auf einen Notizzettel. Sie gehören als vollständiger Auftrag in Ihr System — mit Auftragsnummer, Techniker-Zuordnung, Zeiterfassung und vollständiger Positionsliste. Wer Reparaturen als Nebenher-Arbeit behandelt, wird sie auch als Nebenher-Umsatz abrechnen.

3. Eilzuschläge konsequent berechnen

Wenn eine Praxis am Freitag eine Reparatur braucht, die Montag früh fertig sein muss, ist das ein Eilauftrag. Punkt. Eilzuschläge sind branchenüblich und von den Praxen akzeptiert — vorausgesetzt, Sie kommunizieren sie vorher klar.

Ein Eilzuschlag von 30 bis 50 Prozent bei Reparaturen mit weniger als 24 Stunden Bearbeitungszeit ist marktüblich. Die meisten Praxen akzeptieren das ohne Diskussion, wenn man es transparent anspricht.

4. Quartalsauswertung Reparaturen

Schauen Sie sich einmal pro Quartal Ihre Reparaturaufträge an. Welcher Techniker rechnet wie ab? Gibt es Muster? Gibt es Praxen, die auffällig viele Reparaturen schicken — und wenn ja, liegt das an der Qualität Ihrer Erstversorgung oder an patientenseitigen Faktoren?

Diese Auswertung liefert nicht nur Abrechnungsoptimierung, sondern auch wertvolle Qualitätsdaten. Wenn bestimmte Arbeiten überdurchschnittlich oft zur Reparatur kommen, ist das ein Signal.

5. Standardpreise für Reparaturen definieren

Definieren Sie feste Preisgruppen für die häufigsten Reparaturarten. Das macht die Abrechnung schneller, konsistenter und verhindert, dass jeder Techniker nach Gefühl abrechnet.

Beispielstruktur:

ReparaturtypStandardpreis (ohne Eilzuschlag)
Einfacher Bruch/Sprung55–70 €
Zahnersatz (1 Zahn)65–85 €
Erweiterung mit Klammer90–130 €
Unterfütterung (direkt)70–95 €
Unterfütterung (indirekt)85–120 €
Verblendungsreparatur75–110 €

Diese Preise sind keine Festpreise, sondern Orientierungswerte. Der tatsächliche Betrag hängt von den konkreten Arbeitsschritten ab. Aber sie geben dem Techniker und der Abrechnung einen Rahmen, der verhindert, dass Aufträge für 25 Euro rausgehen, die eigentlich 80 Euro wert sind.

Der Unterschied zwischen Garantie und Reparatur

Ein Punkt, der regelmäßig für Unsicherheit sorgt: Wann ist eine Reparatur kostenlos (Gewährleistung) und wann abrechenbar?

Die Grundregel ist klar: Gewährleistung greift, wenn der Mangel auf einen Fehler des Labors zurückzuführen ist — fehlerhaftes Material, falsche Verarbeitung, mangelhafte Passform. In diesen Fällen muss das Labor nachbessern, ohne zusätzliche Kosten zu berechnen.

Alles andere ist eine reguläre Reparatur. Dazu gehört:

  • Patientenverursachte Schäden: Sturz, Biss auf harte Gegenstände, mangelnde Pflege
  • Altersbedingte Abnutzung: Materialermüdung nach Jahren der Nutzung
  • Kieferveränderungen: Knochenabbau, der eine Unterfütterung nötig macht
  • Behandlungsbedingte Änderungen: Zahn wurde extrahiert, Prothese muss erweitert werden

In der Praxis erleben viele Labore, dass Zahnärzte Reparaturen als Gewährleistung zurückschicken, die eindeutig keine sind. Eine Prothese, die nach drei Jahren nicht mehr passt, weil sich der Kiefer verändert hat, ist keine Gewährleistung. Ein abgebrochener Zahn nach einem Sturz ist keine Gewährleistung.

Hier hilft nur klare Kommunikation. Definieren Sie Ihre Gewährleistungsbedingungen schriftlich und legen Sie sie jeder Erstlieferung bei. Das vermeidet Diskussionen und schützt Ihren Umsatz.

Was sich wirklich ändert, wenn die Reparaturabrechnung stimmt

Die Reparaturabrechnung korrekt aufzustellen ist keine Revolution. Es ist Handwerk. Aber es ist Handwerk, das direkt auf dem Konto ankommt.

Ein Labor mit 1.000 Aufträgen pro Jahr, davon 150 Reparaturen, das seinen durchschnittlichen Reparaturumsatz von 45 auf 85 Euro bringt, generiert 6.000 Euro zusätzlichen Jahresumsatz. Bei einer Marge von 40 Prozent sind das 2.400 Euro mehr Gewinn — jeden Monat 200 Euro, die vorher einfach nicht existierten.

Das ist kein Betrag, der ein Labor rettet. Aber es ist ein Betrag, der zeigt, wie viel Geld in den Ritzen des Alltags verschwindet. Und Reparaturen sind nur eine dieser Ritzen.

Wer seine Reparaturabrechnung in Ordnung bringt, fängt oft an, auch andere Bereiche genauer anzuschauen. Die Logistikpauschalen, die seit fünf Jahren nicht angepasst wurden. Die Modellherstellung, die bei jedem Auftrag mit abgegolten wird, obwohl sie separat abrechenbar wäre. Die Eilzuschläge, die nur berechnet werden, wenn der Kunde explizit danach fragt.

All das zusammen ist keine Kleinigkeit. Es ist der Unterschied zwischen einem Labor, das überlebt, und einem Labor, das wirtschaftlich gesund arbeitet.

Fangen Sie bei den Reparaturen an. Heute. Nehmen Sie die letzten 20 Reparaturaufträge, legen Sie sie nebeneinander, und fragen Sie sich bei jedem einzelnen: Fehlt hier etwas?

Die Antwort wird Sie nicht überraschen. Aber die Summe am Ende wird es.

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