Cloud-Abrechnungssystem für Zahntechniker

Abrechnung 20. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

BEB-Kalkulation: Eigene Preise sauber herleiten statt Fantasiefaktoren

BEB-Preise mit Faktor auf die BEL? Warum das schiefgeht – und wie Sie Stundensatz, Planzeiten und eigene Preise Schritt für Schritt sauber herleiten.

G

GetDent Redaktion

Abrechnungsexperten für Dentallabore

Kaffeepause bei einer Innungsveranstaltung. Irgendwann fällt die Frage, die in solchen Runden immer fällt: „Was habt ihr eigentlich für einen Faktor auf die BEL?" Die Antworten kommen schnell — 1,7 sagt der eine, 2,0 der andere, „je nach Position" der dritte. Erst auf die Nachfrage, wie diese Zahl zustande kommt, wird es still. Meistens war es ein Berater vor Jahren, ein Kollege, ein Bauchgefühl.

Zurück im Labor öffnen Sie Ihre eigene BEB-Preisliste und stellen fest: So genau wissen Sie es auch nicht mehr. Der Faktor stammt aus einer Zeit vor der letzten Lohnrunde, vor der Investition in die Fräsmaschine, vor den gestiegenen Energiepreisen. Er wurde nie hergeleitet — er wurde übernommen. Und seitdem gelegentlich angepasst, wenn es sich „nicht mehr richtig anfühlte".

Genau das ist das Problem: Ein Faktor fühlt sich an wie Kalkulation, ist aber keine. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Ihre BEB-Preise aus Ihren eigenen Zahlen herleiten — Schritt für Schritt, ohne Betriebswirtschaftsstudium.

Warum ein Faktor auf die BEL keine Kalkulation ist

Die BEL II ist das Leistungsverzeichnis für die Regelversorgung. Ihre Preise sind Höchstpreise, die zwischen Innungsverbänden und Krankenkassen verhandelt werden — sie bilden Verhandlungsergebnisse ab, nicht die Kostenstruktur Ihres Labors. Wer seine BEB-Preise als „BEL mal Faktor" bildet, übernimmt eine fremde Grundlage samt aller Verzerrungen:

  • Die Positionen sind unterschiedlich auskömmlich. Innerhalb der BEL decken manche Positionen den tatsächlichen Aufwand besser ab als andere. Ein einheitlicher Faktor schleppt diese Schieflage ungeprüft in Ihre Privatpreise.
  • Ihre Kosten kommen nirgends vor. Ob Sie gerade in digitale Fertigung investiert haben, ob Ihre Personalkosten gestiegen sind, ob Ihr Labor in einer Großstadt oder auf dem Land steht — der Faktor weiß davon nichts.
  • Viele BEB-Leistungen haben kein BEL-Pendant. Gerade dort, wo die BEB ihre Stärken hat — bei höherwertigen und modernen Techniken — fehlt die Bezugsgröße, auf die sich der Faktor stützen soll.
  • Der Faktor beantwortet die falsche Frage. Er fragt: „Was nehmen die anderen?" Die richtige Frage lautet: „Was kostet diese Leistung bei mir — und was muss sie einbringen?"

Die freie Kalkulierbarkeit der BEB ist keine Formalie, sondern eine Chance: Preise, die zu Ihrem Labor passen statt zu einem Durchschnitt, den es so nirgends gibt. Wer stattdessen einen Faktor übernimmt, verschenkt genau diese Chance.

Die Grundlage: sämtliche Kosten Ihres Labors

Eine belastbare Kalkulation beginnt nicht bei der einzelnen Krone, sondern beim ganzen Betrieb. Grundlage sind Ihre tatsächlichen Jahreszahlen — die betriebswirtschaftliche Auswertung oder der letzte Jahresabschluss. Daraus stellen Sie die Gemeinkosten zusammen, also alles, was unabhängig vom einzelnen Auftrag anfällt:

  • Personalkosten der Techniker inklusive Lohnnebenkosten, Sonderzahlungen und absehbarer Lohnsteigerungen
  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn — Ihre eigene Arbeitszeit, angesetzt zu dem, was ein angestellter Laborleiter kosten würde
  • Raumkosten: Miete oder kalkulatorische Miete bei Eigentum, Energie, Instandhaltung
  • Abschreibungen auf Scanner, Fräsmaschine, Drucker, Öfen und EDV — realistisch angesetzt, mit Blick auf die Wiederbeschaffung, nicht nur auf steuerliche Restwerte
  • Software, Wartung, Verwaltung, Versicherungen, Beiträge, Fortbildung, Fahrzeuge und Botendienste
  • Finanzierungskosten und kalkulatorische Wagnisse, etwa für Gewährleistung und Nacharbeit

Beim Material lohnt die Trennung: Einzelmaterial wie Legierungen, Zirkonoxidrohlinge oder Konfektionsteile ordnen Sie dem jeweiligen Auftrag direkt zu. Verbrauchsmaterial wie Gips, Einbettmasse oder Fräser wandert in die Gemeinkosten.

Der am häufigsten vergessene Posten ist der Unternehmerlohn. Wer die eigene produktive Arbeit nicht als Kosten ansetzt, kalkuliert Preise, die nur funktionieren, solange der Inhaber umsonst arbeitet.

Produktive Stunden: die unbequemste Zahl der Rechnung

Der zweite Baustein ist die Zeit, durch die diese Kosten später geteilt werden — und hier wird am meisten geschönt. Anwesenheit ist nicht Produktivität. Von der theoretischen Jahresarbeitszeit eines Technikers gehen zunächst Urlaub, Feiertage und Krankheitstage ab. Vom Rest verschwindet weitere Zeit in Verwaltung, Botengängen, Rüsten und Reinigen von Geräten, Besprechungen, Leerlauf zwischen Aufträgen und Nacharbeit. Was übrig bleibt — die tatsächlich verrechenbare, produktive Zeit — ist deutlich weniger, als die meisten aus dem Bauch heraus schätzen.

Wer seine produktiven Stunden zu hoch ansetzt, rechnet den eigenen Minutensatz künstlich klein — und subventioniert damit jeden einzelnen Auftrag. Deshalb: nicht schätzen, sondern erfassen. Einige Wochen ehrlicher Selbstaufschreibung im Team genügen, um ein realistisches Bild zu bekommen. Die Zahl darf unbequem sein. Sie ist trotzdem die richtige.

Vom Jahresbetrag zum Minutensatz

Mit Kosten und produktiven Zeiten ist der Rest Handwerk:

  1. Gemeinkosten des Jahres summieren — ohne das auftragsbezogene Einzelmaterial.
  2. Gewinn- und Wagniszuschlag aufschlagen. Gewinn ist kein Rest, der hoffentlich übrig bleibt, sondern eine geplante Größe: für Investitionen, Rücklagen und das unternehmerische Risiko.
  3. Durch die produktiven Minuten aller produktiv Tätigen teilen.

Das Ergebnis ist Ihr Minutensatz: der Betrag, den eine produktive Minute in Ihrem Labor mindestens erwirtschaften muss.

Ein bewusst vereinfachtes Beispiel mit frei gewählten Zahlen: Betragen die Jahreskosten inklusive Unternehmerlohn und Gewinnzuschlag 540.000 Euro und leisten drei Vollzeittechniker plus der mitarbeitende Inhaber zusammen 6.000 produktive Stunden, ergeben sich 360.000 produktive Minuten — also 1,50 Euro pro Minute. Die Zahlen sind Illustration, keine Richtwerte; entscheidend ist der Weg. Denn jetzt haben Sie einen Maßstab: Eine Leistung, die weniger einbringt als ihre Zeit mal Minutensatz plus Material, macht Verlust — ganz gleich, welcher Faktor auf der Preisliste steht.

Planzeiten: die zweite Hälfte jeder BEB-Position

Der Minutensatz allein ergibt noch keinen Preis. Für jede BEB-Position — gleich, welche Fassung der BEB Ihr Labor nutzt — brauchen Sie eine Planzeit: die Dauer, die die Leistung bei normaler Qualität und normalem Arbeitsfluss in Ihrem Labor tatsächlich beansprucht. Diese Zeit steht in keiner Liste, denn sie hängt von Arbeitsweise, Geräten und Erfahrung Ihres Teams ab.

Praktisch bewährt sich ein gestuftes Vorgehen:

  • Mit den häufigsten Positionen beginnen. Erfahrungsgemäß steht ein überschaubarer Teil der Positionen für den Großteil des Umsatzes — dort lohnt die Sorgfalt zuerst. Die seltenen Positionen folgen nach und nach.
  • Messen statt schätzen. Mehrere typische Arbeiten verschiedener Techniker aufschreiben und mitteln. Nicht den Bestwert des schnellsten Kollegen nehmen, sondern den realistischen Durchschnitt.
  • Neben- und Rüstzeiten einrechnen. Das Einspannen, das Umrüsten des Ofens, das Dokumentieren gehören zur Leistung dazu — auch wenn sie auf keinem Arbeitsschritt-Zettel stehen.

Der Preis einer Position ist danach keine Geheimwissenschaft mehr: Planzeit mal Minutensatz plus Materialeinzelkosten. Mehr Formel braucht es nicht — aber eben auch nicht weniger.

Eine Minute ist nicht immer eine Minute: Kostenstellen und Gerätesätze

Ein einheitlicher Minutensatz unterstellt, dass jede Minute im Labor gleich viel kostet. In einem Labor mit digitaler Fertigung stimmt das immer weniger: Eine Stunde an der Fräsmaschine trägt Abschreibung, Werkzeugverschleiß, Wartung und Strom mit sich — eine Stunde am Gipsmodell nicht. Wer beides über denselben Satz abrechnet, macht Handarbeit rechnerisch zu teuer und Maschinenzeit zu billig, und subventioniert so eine Sparte mit der anderen, ohne es zu merken.

Die Antwort sind Kostenstellen: eigene Stundensätze für kostenintensive Geräte oder getrennte Sätze für Bereiche wie Edelmetalltechnik, Kunststoff und CAD/CAM-Fertigung. Übertreiben müssen Sie es nicht. Zwei oder drei sauber hergeleitete Sätze sind mehr wert als zehn, die niemand pflegt. Wichtig ist nur, dass die teuren Maschinenminuten dort ankommen, wo sie entstehen.

Was aus dem Faktor wird — und wie Ihre Preisliste aktuell bleibt

Wenn Ihre Preise stehen, dürfen Sie den Faktor wieder hervorholen — in neuer Rolle. Teilen Sie einen kalkulierten BEB-Preis durch die entsprechende BEL-Position, erhalten Sie einen Faktor. Der Unterschied zu früher: Jetzt ist der Faktor ein Ergebnis Ihrer Kalkulation, kein Ersatz dafür. Als Kontrollgröße ist er nützlich: Fällt er bei einer Position aus der Reihe, lohnt der Blick auf Planzeit und Material. Und im Gespräch mit Praxen können Sie erklären, warum er ist, wie er ist.

Aktuell bleiben muss die Kalkulation trotzdem. Lohnabschlüsse, Energiepreise, neue Geräte oder eine veränderte Auftragsstruktur verschieben die Grundlage — mindestens eine jährliche Überprüfung sollte ein fester Termin sein, bei größeren Veränderungen entsprechend früher. In der Praxis scheitert das selten am Wissen, sondern am Aufwand: Preislisten in Tabellen, Planzeiten im Kopf, Änderungen, die nie überall ankommen. Wenn Minutensätze und Planzeiten je Position in einer BEB-Kalkulationssoftware wie GetDent hinterlegt sind, wird aus der jährlichen Preisanpassung eine Änderung an einer Stelle statt einer Fleißarbeit über Hunderte Positionen.

Ein hergeleiteter Preis ist ein Preis, den Sie vertreten können

Irgendwann kommt das Gespräch: Eine Praxis vergleicht Angebote, ein Patient fragt nach seinem Eigenanteil, ein Zahnarzt will wissen, warum die Presskeramik bei Ihnen kostet, was sie kostet. Wer nur einen Faktor hat, kann in diesem Moment auf nichts verweisen außer auf andere. Wer hergeleitet hat, kann antworten — mit Zeiten, mit Kosten, mit einer nachvollziehbaren Rechnung.

Das verändert mehr als die Zahlen auf der Preisliste. Es verändert die Haltung, mit der Sie über Geld sprechen: gegenüber Praxen, gegenüber Ihrem Team, gegenüber sich selbst. Ihre Preisliste ist die Antwort auf die Frage, was Ihre Arbeit wert ist. Es gibt keinen Grund, diese Antwort einem Faktor zu überlassen, den vor Jahren irgendjemand irgendwo aufgeschnappt hat.

beb kalkulation faktor beb kalkulation minutensatz dentallabor stundensatz zahntechnik planzeiten zahntechnik beb preise kalkulieren

Weiterlesen