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Management 11. April 2026 · 10 Min. Lesezeit

Was Ihr Labor wirklich kostet: BWA richtig lesen

Die meisten Laborchefs kennen ihren Umsatz — aber nicht ihre wahren Kosten. Wie Sie Ihre BWA lesen, den echten Stundensatz berechnen und versteckte Margenkiller finden.

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GetDent Redaktion

Branchenexperten für Dentallabor-Betriebswirtschaft

Jeden Monat das gleiche Ritual. Der Steuerberater schickt die BWA als PDF. Sie öffnen die Mail, scrollen zum Betriebsergebnis, nicken oder seufzen — und schließen die Datei. Abgeheftet. Erledigt. Bis zum nächsten Monat.

Wenn Sie das gerade lesen und sich ertappt fühlen: Sie sind in guter Gesellschaft. Die allermeisten Laborchefs behandeln ihre Betriebswirtschaftliche Auswertung wie einen Beipackzettel — man weiß, dass man ihn lesen sollte, tut es aber nicht. Oder man liest ihn und versteht nur die Hälfte.

Das ist teuer. Nicht weil die BWA eine akademische Übung ist, sondern weil sie die einzige regelmäßige Aufnahme ist, die zeigt, wo Ihr Geld tatsächlich hinfließt. Nicht wo Sie denken, dass es hinfließt. Wo es wirklich hinfließt.

Warum die Standard-BWA für Dentallabore wenig taugt

Ihre BWA folgt dem DATEV-Kontenrahmen — SKR03 oder SKR04, je nachdem was Ihr Steuerberater nutzt. Das Problem: Dieser Kontenrahmen ist für alle Branchen gemacht. Für den Bäcker genauso wie für die Werbeagentur. Für ein Dentallabor passt er nur bedingt.

Beispiel Materialkosten. In der Standard-BWA landen dort alle Wareneinkäufe. Aber was kauft ein Dentallabor ein? Zirkonoxid-Ronden, Verblendkeramik, NEM-Legierungen — das ist echtes Produktionsmaterial. Aber auch Poliermittel, Abformlöffel, Gips für Modelle, Schleifkörper. Und dann gibt es Laborbedarf, der mal als Material, mal als sonstiger Aufwand verbucht wird: Schutzhandschuhe, Desinfektionsmittel, Fräser-Verschleißteile.

Wenn Ihr Steuerberater nicht speziell für die Dentalbranche arbeitet — und die wenigsten tun das — vermischen sich diese Posten. Ihre Materialquote sieht dann vielleicht gut aus, weil teure Verschleißteile woanders verbucht werden. Oder sie sieht katastrophal aus, weil ein Großeinkauf von Fräswerkzeugen den Monat verzerrt.

Erster Schritt: Setzen Sie sich mit Ihrem Steuerberater zusammen und definieren Sie saubere Kostengruppen. Einmal. Das kostet Sie zwei Stunden und spart Ihnen Jahre an Rätselraten.

Die fünf Kostenblöcke, die Ihre Marge bestimmen

Jedes Dentallabor hat im Kern fünf Kostenblöcke. Wenn Sie diese kennen und im Verhältnis zum Umsatz verfolgen, haben Sie 90% Ihrer BWA verstanden.

KostenblockTypischer Anteil am UmsatzWarngrenze
Personalkosten (inkl. Unternehmergehalt)35–45%> 48%
Material und Fremdleistungen25–32%> 35%
Raumkosten (Miete, Nebenkosten, Energie)6–10%> 12%
Abschreibungen und Leasing4–8%> 10%
Sonstige Kosten (Versicherungen, IT, Fortbildung, Kfz, Telefon)5–10%> 12%

Orientierungswerte basierend auf VDZI-Betriebsvergleichen und Branchenberichten. Individuelle Abweichungen sind normal — entscheidend ist die Tendenz über Zeit.

Die Summe dieser Blöcke liegt bei einem gesunden Labor zwischen 80% und 92% des Umsatzes. Was übrig bleibt, ist Ihre Umsatzrendite. Im Branchendurchschnitt sind das 5–8%. Bei gut geführten Laboren bis zu 12%. Bei schlecht geführten: null oder negativ.

Jetzt wird es konkret.

Personal: Der größte Block und der am schlechtesten verstandene

Personalkosten sind in fast jedem Labor der größte Einzelposten. Aber viele Laborchefs machen hier den ersten Fehler: Sie vergessen sich selbst.

Ein inhabergeführtes Labor mit 500.000 Euro Umsatz und dem Chef als aktivem Techniker sieht auf dem Papier vielleicht so aus: 150.000 Euro Personalkosten, das wären 30%. Unter dem Branchendurchschnitt. Alles gut?

Nein. Der Chef zahlt sich kein Gehalt, sondern lebt vom Gewinn. Wenn er sich ein marktübliches Geschäftsführer- und Technikergehalt von 60.000 bis 80.000 Euro kalkulatorisch zurechnet, liegt die echte Personalquote bei 42–46%. Plötzlich sieht die Rechnung anders aus.

Rechnen Sie sich immer ein kalkulatorisches Unternehmerlohn hinzu. Wenn Ihr Labor nur profitabel ist, weil Sie sich nicht bezahlen, ist es nicht profitabel — Sie arbeiten umsonst.

Material: Warum die Quote lügt

Eine Materialquote von 28% klingt solide. Aber was steckt dahinter?

Labore, die viel fräsen lassen — ob im eigenen Fräszentrum oder extern — haben oft niedrige Materialkosten, aber hohe Fremdleistungskosten. Wenn Sie Ihre Zirkonarbeiten extern fräsen lassen und das als Fremdleistung verbuchen, sinkt Ihre Materialquote. Aber Ihre Gesamtkosten für die Herstellung steigen trotzdem. Sie haben das Problem nur in eine andere BWA-Zeile verschoben.

Die ehrliche Kennzahl ist: Material + Fremdleistungen als Prozent vom Umsatz. Wenn diese Summe über 35% liegt, haben Sie ein Kostenproblem — egal wie Ihr Steuerberater die einzelnen Zeilen betitelt.

Umgekehrt: Ein Labor mit einer Materialquote von 33%, das alles selbst fertigt und keine Fremdleistungen hat, steht möglicherweise besser da als eines mit 25% Material und 12% Fremdleistungen.

Die Unsichtbaren: Kosten, die niemand auf dem Schirm hat

Dann gibt es die Posten, die einzeln klein sind, aber in Summe überraschen:

  • Fortbildung und Fachliteratur: 2.000–5.000 Euro pro Jahr. Nötig, aber selten budgetiert.
  • IT und Software: Lizenzen, Wartung, Updates, Cloud-Dienste. Schnell 3.000–8.000 Euro jährlich, Tendenz steigend.
  • Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Inventar, Rechtsschutz. 3.000–6.000 Euro.
  • Kfz-Kosten: Der Laborbus für Lieferungen. 4.000–8.000 Euro im Jahr, wenn Sie selbst ausliefern.
  • Qualitätsmanagement: Zertifizierungen, Audits, Dokumentation. 1.000–3.000 Euro.
  • Werbung und Kundenpflege: Auch wenn es nur Weihnachtsgeschenke und eine Website sind — 1.000–4.000 Euro.

In Summe reden wir über 14.000 bis 34.000 Euro im Jahr. Bei einem Labor mit 500.000 Euro Umsatz sind das 3–7%. Klingt wenig, aber bei 5% Umsatzrendite ist das der Unterschied zwischen Gewinn und Verlust.

Ihr wahrer Stundensatz — die Zahl, die alles entscheidet

Der Stundensatz ist die wichtigste Kennzahl im Dentallabor. Und gleichzeitig die, die am häufigsten falsch berechnet wird.

Die meisten Labore rechnen so: Technikerlohn geteilt durch Arbeitsstunden. Ein Techniker verdient 3.200 Euro brutto, arbeitet 160 Stunden im Monat, also kostet die Stunde 20 Euro. Soweit das Bauchgefühl.

Die Realität sieht anders aus.

Schritt 1: Gesamtkosten ermitteln. Nehmen Sie alle Kosten aus der BWA — Personal, Raum, Abschreibungen, alles. Nur Material und Fremdleistungen lassen Sie weg, die rechnen Sie separat pro Auftrag. Das sind Ihre Gemeinkosten.

Schritt 2: Produktive Stunden berechnen. Ein Vollzeit-Techniker hat theoretisch 2.080 Stunden pro Jahr (52 Wochen × 40 Stunden). Davon abziehen: 30 Tage Urlaub (240 Stunden), 10 Tage Krankheit (80 Stunden), 10 Tage Feiertage (80 Stunden), geschätzt 15% unproduktive Zeit (Aufräumen, Besprechungen, Rüstzeiten). Bleiben ca. 1.430 produktive Stunden pro Techniker und Jahr.

Schritt 3: Stundensatz berechnen. Gesamte Gemeinkosten geteilt durch Summe aller produktiven Technikerstunden.

Ein Beispiel mit konkreten Zahlen:

PositionBetrag pro Jahr
Umsatz500.000 €
Personalkosten (inkl. kalk. Unternehmerlohn 65.000 €)215.000 €
Raumkosten36.000 €
Abschreibungen/Leasing28.000 €
Sonstige Kosten32.000 €
Gemeinkosten gesamt311.000 €
Produktive Stunden (4 Techniker + Chef × 1.430 h)7.150 h
Kostendeckender Stundensatz43,50 €
Stundensatz mit 8% Gewinnmarge47,00 €

43,50 Euro. Nicht 20. Nicht 25. Über 43 Euro muss jede produktive Stunde erwirtschaften, damit das Labor seine Kosten deckt. Ohne einen Cent Gewinn.

Jetzt vergleichen Sie das mit Ihren BEL-Abrechnungen. Der durchschnittliche BEL-Stundensatz für Zahntechnik liegt regional bei 38–44 Euro. Viele Kassenpositionen rechnen mit noch weniger. Das bedeutet: Bei reinen Kassenarbeiten kommen Sie in diesem Beispiel gerade so auf die Kostendeckung — wenn alles glatt läuft, kein Auftrag nachgearbeitet werden muss und kein Techniker krank wird.

Gewinn machen Sie nur über Privatarbeiten, in denen Sie Ihren BEB-Stundensatz realistisch ansetzen. Oder über eine Kostenstruktur, die schlanker ist als im Beispiel oben.

Drei Zahlen, die Sie jeden Monat prüfen sollten

Sie müssen kein BWL-Studium nachholen. Drei Kennzahlen reichen, um den Finger am Puls Ihres Labors zu halten.

1. Die Rohertragsmarge

Umsatz minus Material und Fremdleistungen, geteilt durch Umsatz. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, um Personal, Raum und alles andere zu bezahlen. In einem gesunden Dentallabor liegt dieser Wert zwischen 65% und 75%.

Wenn er unter 65% fällt, verkaufen Sie zu billig oder kaufen zu teuer ein. Handlungsbedarf.

2. Die Personalintensität

Personalkosten (inklusive Ihrem kalkulatorischen Gehalt) geteilt durch Rohertrag. Diese Zahl sagt Ihnen, wie viel von dem, was nach Material übrig bleibt, für Gehälter draufgeht. Zielkorridor: 55–65%.

Über 65% bedeutet: Sie haben entweder zu viele Mitarbeiter für Ihren Umsatz, oder Ihre Techniker sind nicht ausgelastet. Beides ist lösbar — aber nur wenn Sie es sehen.

3. Die Umsatzrendite vor Steuern

Betriebsergebnis geteilt durch Umsatz. Die brutale Wahrheit-Zahl. Unter 5% ist kritisch. 5–8% ist Branchendurchschnitt. Über 8% ist gut. Über 12% ist hervorragend.

Tragen Sie diese drei Werte jeden Monat in eine simple Tabelle ein. Drei Zellen, zwölf Zeilen im Jahr. Wenn Sie nach sechs Monaten zurückschauen, sehen Sie Trends, die Ihnen kein Kontoauszug zeigt. Saisonale Schwankungen. Schleichende Kostenanstiege. Die Auswirkung einer Personalentscheidung.

Der Termin, den Sie jetzt machen sollten

Rufen Sie Ihren Steuerberater an. Nicht nächste Woche. Diese Woche. Bitten Sie um einen Termin, in dem Sie gemeinsam Ihre BWA durchgehen — nicht um die Steuern zu besprechen, sondern um die Kostenstruktur zu verstehen. Bringen Sie diese Fragen mit:

  1. Ist mein kalkulatorisches Unternehmergehalt in den Personalkosten berücksichtigt?
  2. Sind Material- und Fremdleistungskosten sauber getrennt?
  3. Wo stehe ich im Branchenvergleich? Der VDZI veröffentlicht Betriebsvergleiche — Ihr Steuerberater kann Ihre Zahlen einordnen.
  4. Welche Kostenposition ist in den letzten zwei Jahren am stärksten gestiegen?

Vier Fragen. Eine Stunde. Das ist der höchste ROI, den Sie diese Woche erzielen können.

Denn das Gefährliche an den wahren Kosten ist nicht, dass sie hoch sind. Hoch kann man managen. Das Gefährliche ist, sie nicht zu kennen. Wer seinen Stundensatz nicht kennt, kalkuliert im Nebel. Wer seine Materialquote nicht ehrlich berechnet, vergleicht Äpfel mit Birnen. Und wer seine BWA in der Schublade lässt, steuert sein Labor nach Kontostand statt nach Fakten.

Der Kontostand sagt Ihnen, ob Sie heute zahlungsfähig sind. Die BWA sagt Ihnen, ob Sie es morgen noch sind.

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