Preisgespräche mit Zahnärzten: Richtig verhandeln
Preisdiskussionen mit Zahnärzten sind der heikelste Moment im Laborvertrieb. Wie Sie Ihre Preise begründen, wertbasiert argumentieren und wissen, wann ein Nein die bessere Antwort ist.
GetDent Redaktion
Branchenexperten für Dentallabor-Vertrieb
“Ihr Kollege aus dem Nachbarort macht die Krone für 40 Euro weniger.” Diesen Satz hat jeder Laborinhaber schon gehört. Und die meisten reagieren darauf mit einer Mischung aus Ärger und Panik. Ärger, weil die Qualität nicht gesehen wird. Panik, weil der Kunde verloren gehen könnte.
Beide Reaktionen führen zu schlechten Entscheidungen. Der Ärger führt dazu, dass man beleidigt klingt. Die Panik führt dazu, dass man den Preis senkt. Beides kostet Geld — das eine in Form verlorener Kunden, das andere in Form verlorener Marge.
Preisgespräche mit Zahnärzten sind nicht angenehm. Aber sie sind steuerbar. Wenn man weiß, was man tut.
Warum Zahnärzte über Preise reden
Bevor Sie auf einen Preiswunsch reagieren, hilft es zu verstehen, warum er kommt. Die Gründe sind weniger homogen, als man denkt.
Grund 1: Echter Kostendruck. Praxen mit hohem Kassenanteil rechnen eng. Wenn die BEL-Höchstpreise steigen, aber die Festzuschüsse der Kassen stagnieren, sinkt die Spanne für die Praxis. Das ist kein Verhandlungstaktik — das ist betriebswirtschaftliche Realität. Rund 35 Prozent der Zahnarztpraxen in Deutschland haben einen Kassenanteil von über 70 Prozent.
Grund 2: Verhandlungsreflex. Manche Zahnärzte fragen nach Rabatt, weil man das so macht. “Geht da noch was?” ist in vielen Geschäftsbeziehungen ein Standardsatz. Das ist kein aggressives Feilschen, sondern eine Gewohnheit.
Grund 3: Vergleichsangebote. Der Zahnarzt hat tatsächlich ein günstigeres Angebot von einem anderen Labor und will wissen, ob Sie mitgehen. Hier ist die Frage: Ist das Vergleichsangebot wirklich vergleichbar?
Grund 4: Unzufriedenheit, die als Preiskritik verkleidet ist. “Ihre Preise sind zu hoch” kann manchmal bedeuten: “Die letzte Arbeit hat nicht gepasst und ich ärgere mich, dafür bezahlt zu haben.” Der Preis ist der einfachste Angriffspunkt, wenn der eigentliche Unmut woanders liegt.
Jeder dieser Gründe erfordert eine andere Antwort. Die erste Aufgabe im Preisgespräch ist deshalb nicht die Verteidigung des Preises, sondern das Verständnis der Ursache.
Die drei Regeln für jedes Preisgespräch
Regel 1: Nie den Preis isoliert diskutieren
Wenn der Zahnarzt sagt “Ihre Zirkon-Krone ist 30 Euro teurer als bei Labor XY”, ist die schlechteste Antwort: “Na gut, wir machen 20 Euro weniger.” Damit bestätigen Sie, dass der Preis das einzig Relevante ist.
Die bessere Antwort: “Verstehe ich. Lassen Sie uns mal anschauen, was in unserem Preis enthalten ist.”
Dann legen Sie die Leistung offen. Nicht als Werberede, sondern als sachliche Auflistung:
| Leistungsbestandteil | Ihr Labor | Typischer Billiganbieter |
|---|---|---|
| Material | Markenzirkon, individuell eingefärbt | Standardzirkon, monochrom |
| Passungskontrolle | Doppelte Prüfung am Modell + digital | Einmalige Sichtkontrolle |
| Durchlaufzeit | 5 Werktage, Eilauftrag 48h möglich | 7-10 Werktage, kein Eilservice |
| Reklamationsbearbeitung | Kostenfreie Neuanfertigung in 3 Tagen | ”Zurückschicken, wir schauen mal” |
| Erreichbarkeit | Ansprechpartner direkt, Rückruf in 1h | Callcenter, Bearbeitung 2-3 Tage |
| Garantie | 5 Jahre Gewährleistung | Gesetzliches Minimum (2 Jahre) |
Wenn der Zahnarzt nach dieser Gegenüberstellung immer noch nur den Preis sieht, ist er vielleicht nicht der richtige Kunde für Ihr Labor. Aber in den meisten Fällen relativiert sich der Preisunterschied deutlich.
Regel 2: In Euro und Fällen rechnen, nicht in Prozent
“Wir sind 15 Prozent teurer” klingt nach viel. “Bei 10 Kronen im Monat sind das 6 Euro pro Krone, also 60 Euro mehr” klingt nach wenig. Es ist dasselbe. Aber die Wahrnehmung ist grundlegend anders.
Übersetzen Sie den Preisunterschied immer in absolute Zahlen und setzen Sie ihn ins Verhältnis zum Gesamtbild:
“Die Differenz bei der Zirkon-Krone beträgt 30 Euro. Bei Ihrem Volumen von durchschnittlich 8 Zirkon-Kronen pro Monat sprechen wir über 240 Euro im Monat. Dafür bekommen Sie individuelle Farbschichtung, Eilservice ohne Aufpreis und einen festen Ansprechpartner, der innerhalb einer Stunde zurückruft. Die Frage ist: Ist Ihnen das 240 Euro wert?”
Diese Frage verlagert die Entscheidung vom Preis auf den Wert. Und sie gibt dem Zahnarzt die Möglichkeit, ja zu sagen, ohne das Gefühl zu haben, über den Tisch gezogen zu werden.
Regel 3: Gegenleistung für Preiszugeständnisse
Wenn Sie einen Preisnachlass geben, geben Sie nie etwas umsonst. Jedes Zugeständnis braucht eine Gegenleistung.
Mögliche Gegenleistungen:
| Zugeständnis des Labors | Gegenleistung der Praxis |
|---|---|
| 5 % Rabatt auf Vollkeramik | Volumencommitment: min. 15 Einheiten/Monat |
| Kostenfreie Eilaufträge | Exklusivvereinbarung: alle Aufträge an Ihr Labor |
| Preisnachlass auf BEL-Positionen | Verlängerte Zahlungsfrist entfällt (Zahlung in 14 statt 30 Tagen) |
| Sonderpreis auf Schienen | Praxis empfiehlt aktiv an Kollegen |
Dieses Prinzip ist nicht hart verhandelt — es ist fair. Beide Seiten geben, beide Seiten bekommen. Und es schützt Sie davor, in eine Spirale zu geraten, in der Sie immer nur geben.
Die häufigsten Preisargumente — und wie Sie darauf reagieren
”Labor XY macht das für weniger.”
Antwort: “Das kann gut sein. Was genau bietet Labor XY für diesen Preis? Gleiche Material-Qualität? Gleiche Durchlaufzeit? Gleiche Garantie? Wenn ja, dann ist deren Angebot tatsächlich besser und es wäre nachvollziehbar, dort zu bestellen. Wenn es Unterschiede gibt, lassen Sie uns vergleichen.”
Nicht defensiv werden. Nicht den Wettbewerber schlechtmachen. Sachlich vergleichen. In den meisten Fällen wird der Zahnarzt zugeben, dass er die Details des Vergleichsangebots gar nicht kennt.
”Die Patienten zahlen das nicht.”
Antwort: “Verstehe ich. Welche Patienten meinen Sie? Bei Kassenversorgungen sind wir an die BEL-Höchstpreise gebunden, da haben Sie recht. Bei Privatleistungen legt der Patient aber nicht den Laborpreis fest — sondern der Heil- und Kostenplan. Wenn der Patient eine hochwertige Versorgung wünscht und Sie ihm die Vorteile erklären, trägt er die Mehrkosten in der Regel mit.”
Diese Antwort erfordert Fingerspitzengefühl. Sie sagt im Kern: “Ihr Preisproblem ist vielleicht ein Beratungsproblem in der Praxis.” Das darf man nicht so direkt formulieren. Aber man kann es nahelegen, indem man dem Zahnarzt Argumentationshilfen für das Patientengespräch anbietet.
”Alle anderen Kosten steigen auch, da müssen Sie mitgehen.”
Antwort: “Das stimmt. Und unsere Kosten steigen ebenfalls — Material, Energie, Personal. Deshalb können wir unsere Preise nicht senken, ohne an der Qualität zu sparen. Und das wollen weder Sie noch Ihre Patienten.”
Ehrlich, direkt, ohne Aggression. Die Aussage ist: Wir sitzen im selben Boot.
”Ich denke darüber nach.”
Antwort: “Selbstverständlich. Darf ich Sie Ende nächster Woche anrufen, um zu hören, wie Sie sich entschieden haben?”
Nicht in der Luft hängen lassen. Einen konkreten Nachfasstermin vereinbaren. “Ich denke darüber nach” ist in 50 Prozent der Fälle ein höfliches Nein. In der anderen Hälfte braucht der Zahnarzt tatsächlich Zeit. Der Nachfassanruf klärt, welcher Fall vorliegt.
Wann Sie Nein sagen sollten
Nicht jeder Preiskampf lohnt sich. Es gibt Situationen, in denen ein Auftrag mehr kostet, als er bringt.
Sagen Sie Nein, wenn:
- Der geforderte Preis unter Ihren variablen Kosten liegt. Das ist keine Verhandlung, das ist Subvention.
- Der Kunde bei jedem Auftrag nachverhandelt. Das bindet Vertriebszeit, die anderswo besser investiert wäre.
- Die Preissenkung eine Signalwirkung hat. Wenn Sie Praxis A einen Sonderpreis geben, wird Praxis B davon erfahren. Zahnärzte reden miteinander.
- Der Kunde seine Preisforderung mit Drohungen untermauert: “Wenn Sie nicht runtergehen, wechsle ich.” Ein Kunde, der so verhandelt, wird das bei jeder Gelegenheit wiederholen. Lassen Sie ihn gehen.
Das Nein-Sagen ist die schwierigste Disziplin im Vertrieb. Es fühlt sich an wie verlorener Umsatz. Tatsächlich ist es oft geschützter Gewinn. Ein Auftrag, der keinen Deckungsbeitrag hat, ist schlimmer als kein Auftrag — er beschäftigt die Werkstatt und verhindert, dass ein profitabler Auftrag an seine Stelle tritt.
Preise erhöhen: Wie und wann
Preiserhöhungen sind unvermeidlich. Materialkosten steigen, Löhne steigen, Energiekosten steigen. Wer nicht regelmäßig anpasst, frisst seine Marge auf.
Wann: Einmal im Jahr, zum festen Termin. Idealerweise zum 1. Januar oder 1. Juli. Nicht ad hoc, nicht mitten im Quartal, nicht anlassbezogen (“Das Zirkon ist teurer geworden, ab morgen neue Preise”).
Wie viel: Die durchschnittliche Preissteigerung in der Dentallabor-Branche lag in den letzten 3 Jahren bei 3 bis 5 Prozent pro Jahr. Das ist der Rahmen, in dem Preiserhöhungen als normal akzeptiert werden. Über 7 Prozent wird es erklärungsbedürftig.
Wie kommunizieren:
- 6 Wochen vorher schriftlich ankündigen. Kein Überrumpeln. Brief oder E-Mail mit den neuen Preisen und dem Gültigkeitsdatum.
- Begründung mitliefern. Nicht entschuldigen, aber erklären: “Gestiegene Material- und Personalkosten machen eine Anpassung notwendig, um die gewohnte Qualität zu gewährleisten.”
- A-Kunden persönlich informieren. Nicht per Rundschreiben, sondern beim nächsten Besuch oder per Anruf. Diese Kunden verdienen den persönlichen Kontakt — und das Gespräch gibt Ihnen die Chance, eventuelle Bedenken sofort aufzufangen.
- Neue Preisliste beilegen. Transparent, vollständig, ohne Kleingedrucktes.
Der wichtigste Grundsatz: Preiserhöhungen werden angekündigt, nicht verhandelt. Sie informieren den Kunden über die neuen Preise. Sie fragen ihn nicht, ob es in Ordnung ist. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied in der Kommunikation. Wer fragt, signalisiert Unsicherheit. Wer informiert, signalisiert Verlässlichkeit.
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