Tourplanung für den Labor-Außendienst
Eine durchdachte Tourplanung spart dem Außendienst bis zu 30 Prozent Fahrzeit. Wie Dentallabore Routen optimieren, Gebiete clustern und Leerfahrten vermeiden.
GetDent Redaktion
Branchenexperten für Dentallabor-Vertrieb
Ein Außendienstmitarbeiter im Dentallabor fährt im Schnitt 25.000 bis 35.000 Kilometer pro Jahr. Bei einem Kostensatz von 0,50 Euro pro Kilometer (Fahrzeug, Sprit, Verschleiß, Versicherung) sind das 12.500 bis 17.500 Euro — nur für die Fahrten. Dazu kommt die Zeit: Wer zwei Stunden am Tag im Auto sitzt statt bei Kunden, verliert pro Woche einen kompletten Besuchstag.
Trotzdem planen die meisten Labore ihre Touren nach dem Prinzip “Wer muss dringend besucht werden?” statt “Wie besuche ich möglichst viele Praxen mit möglichst wenig Fahrzeit?”. Das ist der Unterschied zwischen reagieren und steuern.
Warum gute Tourplanung am Schreibtisch beginnt
Die erste Reaktion vieler Laborinhaber auf das Thema Tourplanung: “Unsere Praxen sind über die ganze Region verteilt, das kann man nicht wirklich optimieren.” Doch, kann man. Und der Effekt ist größer, als die meisten annehmen.
Erfahrungswerte aus dem Mittelstandsvertrieb zeigen: Ein nicht unerheblicher Teil der Außendienstzeit geht in Leerzeiten und unoptimierte Routen verloren — oft im Bereich eines Viertels bis Drittels der Arbeitszeit. Übertragen auf ein Dentallabor mit einem Außendienstmitarbeiter bedeutet das: Mit systematischer Planung werden aus 4 Besuchen pro Tag schnell 5 bis 6 — bei weniger Kilometern.
Der Schlüssel liegt in drei Elementen: geografisches Clustering, Tagesstruktur und Flexibilitätspuffer.
Schritt 1: Geografisches Clustering
Nehmen Sie eine Karte Ihres Einzugsgebiets und markieren Sie alle aktiven Kunden und qualifizierten Prospects. In den meisten Regionen ergibt sich ein klares Muster: Praxen konzentrieren sich in Stadtzentren, entlang von Hauptverkehrsachsen und in Wohngebieten mit hoher Bevölkerungsdichte.
Teilen Sie Ihr Gebiet in 4 bis 6 Cluster. Jedes Cluster wird einem festen Wochentag zugeordnet.
Beispiel für ein Labor im Raum Stuttgart:
| Wochentag | Cluster | Praxen im Cluster | Fahrzeit zwischen Praxen |
|---|---|---|---|
| Montag | Stuttgart Zentrum + Bad Cannstatt | 18 | 5-10 Min. |
| Dienstag | Ludwigsburg + Kornwestheim + Bietigheim | 14 | 8-15 Min. |
| Mittwoch | Esslingen + Nürtingen + Kirchheim | 12 | 10-15 Min. |
| Donnerstag | Böblingen + Sindelfingen + Herrenberg | 11 | 10-15 Min. |
| Freitag | Puffer / Nachholtermine / Neuakquise | variabel | variabel |
Der Vorteil: An einem “Stuttgart-Tag” liegt die nächste Praxis nie mehr als 10 Minuten entfernt. Statt kreuz und quer durch die Region zu fahren, bewegt sich der Außendienst innerhalb eines kompakten Gebiets. Die Fahrzeit pro Besuch sinkt von durchschnittlich 25 Minuten auf 10 bis 12 Minuten.
Schritt 2: Die optimale Tagesstruktur
Ein gut geplanter Außendiensttag hat eine klare Architektur. Nicht jeder Zeitslot eignet sich für jeden Besuchstyp.
Die Tagesstruktur eines effizienten Außendiensttags:
| Zeit | Aktivität | Begründung |
|---|---|---|
| 07:30-08:00 | Vorbereitung, Besuchsunterlagen prüfen | Letzte Chance für Updates aus dem Innendienst |
| 08:00-08:30 | Fahrt zum ersten Kunden | Vor dem Praxisbetrieb ankommen |
| 08:30-09:00 | Besuch 1: Lieferung + kurzes Gespräch | Praxis öffnet, kurzes Zeitfenster vor dem ersten Patienten |
| 09:30-10:30 | Besuch 2: Ausführlicher Termin (A-Kunde) | Zahnarzt hat oft zwischen 9:30 und 10:00 eine Lücke |
| 10:45-11:15 | Besuch 3: B-Kunde oder Prospect | Kurzer Check-in oder Erstvorstellung |
| 11:30-12:00 | Besuch 4: Kurzbesuch | Vor der Mittagspause |
| 12:00-13:00 | Mittagspause + Besuchsberichte | Dokumentation, solange alles frisch ist |
| 13:00-14:00 | Besuch 5: Mittagstermin | Viele Praxen haben Mittagspause, ideal für längere Gespräche |
| 14:15-14:45 | Besuch 6: Prospect oder C-Kunde | Nachmittags sind Praxen oft gesprächsbereiter |
| 15:00-15:30 | Puffer / spontaner Besuch | Für ungeplante Gelegenheiten |
| 15:30-16:00 | Rückfahrt + telefonische Nachbereitung | Zusagen einlösen, Termine bestätigen |
Sechs Besuche pro Tag sind ein realistisches Ziel. Wer vier schafft, liegt unter dem Optimum. Wer acht plant, wird keinen davon richtig machen.
Schritt 3: Terminierte vs. offene Besuche
Nicht jeder Besuch braucht einen Termin. Die richtige Mischung entscheidet über die Effizienz.
Terminierte Besuche (ca. 60 % der Tour):
- A-Kunden: immer terminiert. Diese Praxen erwarten Verbindlichkeit.
- Erstbesuche bei Prospects: ohne Termin kommt man selten über die Anmeldung hinaus.
- Besuche mit konkretem Anlass (Reklamation, Angebot, neues Material): brauchen vorbereitete Gesprächszeit.
Offene Besuche (ca. 40 % der Tour):
- B- und C-Kunden: kurzer Drop-in, Lieferung mitbringen, Feedback abholen.
- Spontan-Besuche bei Praxen in der Nähe, die man “mitnehmen” kann.
- Nachbarpraxen im selben Gebäude oder derselben Straße.
Der Trick: Terminierte Besuche bilden das Gerüst des Tages. Offene Besuche füllen die Lücken. Wenn zwischen zwei terminierten Besuchen 45 Minuten liegen und eine B-Praxis auf dem Weg liegt — reinschauen.
Schritt 4: Fahrzeit pro Besuch als Steuerungskennzahl
Die wichtigste Kennzahl in der Tourplanung ist nicht die Anzahl der Besuche, sondern die durchschnittliche Fahrzeit pro Besuch. Sie zeigt, wie effizient die Touren wirklich sind.
Benchmarks:
| Fahrzeit pro Besuch | Bewertung |
|---|---|
| Unter 10 Minuten | Hervorragend — urbanes Gebiet, gut geclustert |
| 10-15 Minuten | Gut — normaler Wert für Ballungsräume |
| 15-25 Minuten | Optimierungsbedarf — Cluster überprüfen |
| Über 25 Minuten | Kritisch — Touren grundlegend umstrukturieren |
Rechnen Sie: Wenn die durchschnittliche Fahrzeit bei 20 Minuten liegt und Sie 5 Besuche am Tag machen, verbringen Sie 100 Minuten im Auto. Senken Sie die Fahrzeit auf 12 Minuten, sind es 60 Minuten — Sie gewinnen 40 Minuten pro Tag. Das sind pro Monat über 13 Stunden, in denen Sie bei Kunden sein könnten statt auf der Autobahn.
Sonderfälle: Ländliche Gebiete und Randlagen
Nicht jedes Labor hat den Luxus, 200 Praxen in einem 30-Kilometer-Radius zu haben. In ländlichen Regionen liegen zwischen Praxen manchmal 30 bis 40 Kilometer. Hier gelten andere Regeln.
Strategie für ländliche Gebiete:
-
Weniger Tage, aber ganze Tage. Statt dreimal pro Woche kurz rauszufahren, einmal pro Woche einen kompletten Tag für die ländliche Region einplanen. Alle Praxen in dieser Richtung an einem Tag besuchen.
-
Ankerkunden nutzen. Jede Tour braucht einen “Ankerkunden” — einen A-Kunden, der den Besuch auf jeden Fall rechtfertigt. Um diesen Anker herum werden weitere Besuche gruppiert.
-
Telefonische Vorqualifizierung. Bevor Sie 45 Minuten zu einer C-Praxis auf dem Land fahren, rufen Sie an. Ist der Zahnarzt da? Gibt es Gesprächsbedarf? Wenn nicht, streichen Sie den Besuch und investieren die Zeit sinnvoller.
-
Kombinierte Besuche und Lieferungen. Wenn die Logistik sowieso in die Richtung fährt, kann der Außendienst die Lieferung mitnehmen. Das spart eine Fahrt und gibt einen natürlichen Gesprächsanlass.
Typische Fehler in der Tourplanung
Fehler 1: Lieblingsrouten. Menschen sind Gewohnheitstiere. Der Außendienst fährt immer dieselbe Strecke, besucht immer dieselben Praxen. Ergebnis: Die Hälfte des Kundenbestands wird vernachlässigt.
Fehler 2: Keine Puffer. Jede Tour braucht 15 bis 20 Prozent Pufferzeit. Ein Gespräch dauert länger, ein Stau kommt dazwischen, eine Praxis bittet um einen spontanen Termin. Wer sechs Besuche ohne Puffer plant, schafft am Ende vier und ist gestresst.
Fehler 3: Rückkehr ins Labor zwischen Besuchen. Der Außendienst fährt morgens los, kommt mittags ins Labor zurück, fährt nachmittags wieder raus. Das kostet pro Tag 30 bis 60 Minuten Fahrzeit — ohne einen einzigen Kundenkontakt.
Fehler 4: Freitag als Restetag. Freitag wird genutzt, um liegen gebliebene Besuche nachzuholen. Das klingt vernünftig, führt aber dazu, dass die Wochenplanung nie stimmt, weil ohnehin “Freitag noch Zeit ist”. Besser: Freitag fest für Neuakquise oder interne Aufgaben blocken.
Was eine gute Tourplanung bringt — in Zahlen
Für ein Labor mit einem Außendienstmitarbeiter, 80 aktiven Kunden und 4 Außendiensttagen pro Woche sieht der Unterschied so aus:
| Kennzahl | Ohne Planung | Mit Planung |
|---|---|---|
| Besuche pro Tag | 3-4 | 5-6 |
| Fahrzeit pro Tag | 2,5 Std. | 1,5 Std. |
| Besuche pro Monat | 56 | 88 |
| Km pro Monat | 2.800 | 1.900 |
| Kosten pro Monat (Fahrzeug) | 1.400 EUR | 950 EUR |
| Kundenkontaktzeit pro Tag | 3 Std. | 4,5 Std. |
Die Differenz: 32 zusätzliche Besuche pro Monat bei 450 Euro weniger Fahrzeugkosten. Oder anders ausgedrückt: 50 Prozent mehr Kundenkontakt für ein Drittel weniger Kosten.
Kein einzelnes Vertriebsgespräch hat diese Hebelwirkung. Die Tourplanung ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut — Akquise, Kundenpflege, Cross-Selling. Wer hier optimiert, multipliziert den Effekt jeder einzelnen Vertriebsmaßnahme.
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