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Logistik 13. April 2026 · 10 Min. Lesezeit

Fahrerlogistik: Abholung und Lieferung richtig organisieren

Eigene Fahrer sind teuer, aber unverzichtbar. So organisieren Sie Abholung und Lieferung im Dentallabor effizient — mit konkreten Zahlen zu Kosten pro Stopp.

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GetDent Redaktion

Branchenexperten für Dentallabor-Logistik

Dienstagmorgen, 7:15 Uhr. Ihr Fahrer steigt ins Auto, dreht den Schluessel um und beginnt seine Tour. Acht Praxen stehen auf dem Zettel — handgeschrieben, weil das schon immer so war. Um 12:30 Uhr ist er zurueck. Drei Praxen hat er nicht angefahren, weil die Abdrucke noch nicht fertig waren. Eine Praxis hatte ihren Abholtag verwechselt. Und bei Dr. Mueller war niemand da, obwohl gestern telefonisch bestaetigt.

Netto-Ergebnis: fuenf Stopps in fuenf Stunden. Bei einem vollkostengerechneten Fahrer mit Fahrzeug sind das rund 24 Euro pro Stopp — fuer etwas, das eigentlich 12 bis 14 Euro kosten sollte.

Das ist kein Pech. Das ist fehlende Planung.

Was ein eigener Fahrdienst wirklich kostet

Bevor Sie optimieren koennen, muessen Sie die Zahlen kennen. Die meisten Laborinhaber unterschaetzen die Vollkosten ihres Fahrdienstes erheblich, weil sie nur Gehalt und Sprit sehen.

Hier eine realistische Kalkulation fuer einen Vollzeit-Fahrer mit Fahrzeug in einem mittelgrossen Labor:

KostenpositionMonatJahr
Bruttogehalt Fahrer (inkl. AG-Anteil)3.200 EUR38.400 EUR
Fahrzeugleasing oder AfA450 EUR5.400 EUR
Kraftstoff (ca. 1.500 km/Monat)270 EUR3.240 EUR
Versicherung + Steuer150 EUR1.800 EUR
Wartung, Reifen, TUeV120 EUR1.440 EUR
Mobiltelefon + Zubehoer40 EUR480 EUR
Vollkosten4.230 EUR50.760 EUR

Bei 220 Arbeitstagen und durchschnittlich 8 Stopps pro Tag ergibt das 1.760 Stopps im Jahr. Die Kosten pro Stopp liegen damit bei rund 28,80 Euro.

Das ist die Zahl, die Sie kennen muessen. Jeder Stopp, der ins Leere geht — weil die Praxis nichts bereit hat, weil niemand oeffnet, weil der Termin verschoben wurde — kostet Sie fast 29 Euro. Ohne Gegenwert.

Die drei groessten Kostenfresser in der Fahrerlogistik

1. Leere Fahrten

In vielen Laboren fahren die Fahrer nach einem starren Wochenplan: Montag diese Praxen, Dienstag jene. Unabhaengig davon, ob es etwas abzuholen oder zu liefern gibt. Das fuehrt dazu, dass 15 bis 25 Prozent aller Stopps ohne relevanten Austausch bleiben. Der Fahrer faehrt hin, nimmt nichts mit, laesst nichts da — und faehrt weiter.

Bei 1.760 Stopps im Jahr und einer Leerfahrtquote von 20 Prozent verbrennen Sie jaehrlich rund 10.150 Euro fuer Besuche ohne Zweck.

Loesung: Bedarfsgesteuerte Touren statt starrer Wochenplaene. Praxen melden bis 16 Uhr am Vortag, ob eine Abholung oder Lieferung ansteht. Nur dann wird der Stopp eingeplant. Das reduziert die Leerfahrtquote auf unter 5 Prozent.

2. Fehlende Zeitfenster

Der Fahrer kommt um 10:30 Uhr bei der Praxis an. Die Rezeption sagt: “Der Chef wollte noch kurz mit Ihrem Techniker telefonieren, koennen Sie in einer halben Stunde nochmal kommen?” Der Fahrer kann nicht 30 Minuten im Auto warten. Also faehrt er weiter und kommt spaeter nochmal — wenn die Route es erlaubt. Oft erlaubt sie es nicht.

Loesung: Feste Abhol- und Lieferzeitfenster vereinbaren. Nicht “irgendwann vormittags”, sondern “zwischen 9:00 und 9:30 Uhr”. Praxen, die das Fenster verpassen, werden beim naechsten regulaeren Termin bedient. Klingt hart, funktioniert aber — weil Praxen selbst ein Interesse an Planbarkeit haben.

3. Chaotische Tourenreihenfolge

Ein Fahrer, der seine Route selbst plant, faehrt intuitiv. Das bedeutet: Er faehrt zuerst zur Praxis, die er am besten kennt, dann zur naechsten, die ihm einfaellt. Nicht zur naechsten, die geografisch am naechsten liegt.

Bei acht Stopps kann der Unterschied zwischen einer optimierten und einer intuitiven Route leicht 25 bis 40 Kilometer betragen. Bei 220 Tagen sind das 5.500 bis 8.800 ueberfluessige Kilometer im Jahr — rund 1.000 bis 1.600 Euro reiner Sprit, plus Fahrzeugverschleiss und verlorene Zeit.

So organisieren Sie den Abhol- und Lieferprozess

Vorabend-Planung statt Morgen-Chaos

Der Schluessel zu einer funktionierenden Fahrerlogistik ist die Tourenplanung am Vorabend. Nicht am Morgen, wenn der Fahrer schon im Auto sitzt.

Ablauf:

  1. Bis 16:00 Uhr melden Praxen Abholbedarf (telefonisch, per Portal oder per Nachricht)
  2. Bis 17:00 Uhr prueft die Disposition, welche Lieferungen rausgehen
  3. Bis 17:30 Uhr steht die Tour fuer den naechsten Tag — mit Reihenfolge, Zeitfenstern und Sonderwuenschen

Das klingt aufwaendig. Ist es am Anfang auch — etwa 20 bis 30 Minuten taeglich. Aber diese 30 Minuten sparen dem Fahrer am naechsten Tag leicht eine Stunde. Und sie eliminieren die hektischen Morgenfragen: “Was muss heute raus? Wo muss ich hin?”

Zwei-Wege-Kommunikation

Der Fahrer braucht einen Rueckkanal. Wenn er an einer Praxis ankommt und niemand oeffnet, muss das sofort dokumentiert werden — nicht abends beim Kaffee im Labor. Weil die Praxis dann anruft und fragt, wo die Abholung bleibt, und niemand im Labor Bescheid weiss.

Ein einfaches Vorgehen: Der Fahrer traegt nach jedem Stopp den Status ein — “zugestellt”, “abgeholt”, “niemand da”, “Rueckfrage noetig”. Das kann per App passieren, per Messenger-Nachricht oder im einfachsten Fall per Anruf im Labor. Hauptsache, die Information fliesst.

Die 80/20-Regel der Praxisbesuche

In den meisten Laboren generieren 20 Prozent der Praxen 60 bis 70 Prozent des Auftragsvolumens. Diese A-Praxen brauchen zuverlaessige, haeufige Anfahrten — idealerweise taeglich oder jeden zweiten Tag. Die restlichen 80 Prozent koennen mit ein bis zwei Anfahrten pro Woche bedient werden oder ueber Paketdienst.

Ordnen Sie Ihre Praxen in drei Kategorien:

KategorieAuftragsvolumenAnfahrtfrequenzAnteil Praxen
A-Praxen> 15 Auftraege/Monattaeglichca. 15-20%
B-Praxen5-15 Auftraege/Monat2-3x pro Wocheca. 30-40%
C-Praxen< 5 Auftraege/Monat1x pro Woche oder Versandca. 40-50%

Fahrer als Visitenkarte des Labors

Ein Aspekt, der in der reinen Kostenbetrachtung untergeht: Der Fahrer ist oft der einzige Mitarbeiter Ihres Labors, den die Praxis regelmaessig persoenlich sieht. Er ist Ihr Aussendienstmitarbeiter, ob Sie das so geplant haben oder nicht.

Ein freundlicher, zuverlaessiger Fahrer, der die Namen der Rezeptionsmitarbeiterinnen kennt und morgens ein “Schoenen Tag noch” dalasst, ist Gold wert. Ein muffeliger Fahrer, der wortlos ein Paket auf den Tresen knallt, beschaedigt Ihre Kundenbeziehung — jeden Tag ein bisschen.

Konkret bedeutet das:

  • Der Fahrer sollte wissen, welche Arbeiten er transportiert (mindestens grob: “Krone fuer Frau Meyer, Modellguss fuer Herrn Schneider”)
  • Er sollte einfache Rueckfragen der Praxis beantworten koennen (“Wann ist die Arbeit fertig?” — “Donnerstag, hat der Chef gesagt”)
  • Er sollte Beschwerden oder Hinweise der Praxis zurueckmelden, nicht schlucken

Das erfordert kein Studium. Es erfordert, dass Sie den Fahrer als Teil Ihres Teams behandeln und nicht als reinen Transporteur.

Ab wann lohnt sich ein zweiter Fahrer?

Die Entscheidung haengt von drei Faktoren ab:

  1. Stoppanzahl: Wenn Ihr Fahrer regelmaessig mehr als 10 Stopps pro Tag hat, wird die Qualitaet leiden — er hetzt, macht Fehler, kommt zu spaet.
  2. Geografie: Wenn Ihre Praxen in zwei klar getrennten Gebieten liegen (z.B. Stadt und Umland), sind zwei kurze Touren effizienter als eine lange.
  3. Zeitdruck: Wenn Praxen regelmaessig vor 8:30 Uhr beliefert werden muessen und gleichzeitig Nachmittagsabholungen anfallen, kann ein Fahrer das zeitlich nicht abdecken.

Bei den oben kalkulierten 50.760 Euro Vollkosten pro Fahrer muss ein zweiter Fahrer mindestens 8 bis 10 zusaetzliche Stopps pro Tag wirtschaftlich rechtfertigen. Bei einem Durchschnittsauftragswert von 180 Euro und einer Nettomarge von 15 Prozent sind das rund 27 Euro Deckungsbeitrag pro Auftrag. Ab 10 zusaetzlichen Stopps traegt sich der zweite Fahrer selbst — vorausgesetzt, die Leerfahrtquote bleibt unter Kontrolle.

Checkliste: Fahrerlogistik optimieren

  • Vollkosten pro Stopp berechnen (nicht nur Sprit + Gehalt)
  • Leerfahrtquote messen (Anteil Stopps ohne Austausch)
  • Bedarfsmeldung bis 16:00 Uhr einfuehren
  • Feste Zeitfenster mit A-Praxen vereinbaren
  • Tagestouren am Vorabend planen
  • Status-Rueckmeldung durch Fahrer einfuehren
  • A/B/C-Kategorisierung der Praxen durchfuehren
  • Quartalweise Kosten pro Stopp ueberpruefen

Wer seine Fahrerlogistik im Griff hat, spart nicht nur Geld. Er liefert zuverlaessiger, kommuniziert professioneller und gibt der Praxis einen Grund weniger, ueber einen Laborwechsel nachzudenken.

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